Freitag, 4. September 2020

2020, das Jahr, in dem ich systemrelevant wurde. Chronik eines unglaublichen Jahres. Die Pandemie aus Sicht eines Gesundheitsamtes.

Ende Dezember 2019, erste Berichte über eine neuartige Lungenkrankheit, die in der chinesischen Stadt Wuhan ausgebrochen sei, genauer gesagt auf einem Wildtiermarkt dort.

In Deutschland und auch bei uns im Staatlichen Gesundheitsamt München-Land ist alles ruhig. N. fährt mit Freunden zu Kombiweltcups und zum Skispringen. Noch macht sich niemand Gedanken darüber, ob das Virus auch zu uns kommen würde, geschweige denn ob Weltcups ausfallen könnten.

In Innsbruck trifft sie auf A., die alle mit Norwegenfahne anspricht. Sie hat ein Buch dabei und sammelt dort Einträge für den krebskranken Björn Einar Romoeren. Auch N. verewigt sich. 

Montag, 27. Januar 2020, der erste Fall von Covid19 in Deutschland.  Dieses Cluster lässt sich jedoch relativ schnell eingrenzen und alle atmen auf. Am WE davor ist N. in Odorf bei den Kombis, am WE drauf in Seefeld. Auch A. ist wieder dort und lädt N. wie auch S. wenig später zu ihrem Geburtstag im März ein. N. freut sich.

Die Vorbereitungen auf die nächste Heilpraktikerüberprüfung, die am 18.03.2020 stattfinden soll, laufen wie geplant. Noch machen wir Witze im Amt und schicken uns Blödsinn über Whats App.

Dienstag, 04.02.2020, der erste Fall im Landkreis München. 

Freitag, 07.02.2020 - N. hat Urlaub und fährt nach Brotterode zum Conti-Cup. Dass dieser Tag bis zum heutigen Tag der letzte Urlaubstag bleiben sollte, konnte damals noch niemand ahnen.


Kollegin M. geht durch die Büros und spendiert Bier. 

Dienstag, 25.02.2020 - N. und S. wollen ja heuer wieder nach Norwegen und finden am 25.02.2020 einen tollen Flug bei der Lufthansa. Gebucht und angefangen zu hoffen. Hotels und Pensionen hatten wir zum Teil schon längst gebucht.

Donnerstag, 05.03.2020 - im Gesundheitsamt vibriert die Luft. Die Telefone klingeln rund um die Uhr. Niemand macht mehr Witze. Unsere Abteilung hätte Anfang März März ihren Teamtag gehabt. Ersatzlos gestrichen.

Donnerstag, 12.03.2020 - N. und ihre Kollegen werden gebeten, die sozialen Kontakte zu reduzieren. N. sagt darauf schweren Herzens die Geburtstagseinladung ab und schickt das Geschenk per Post weg.

Freitag, 13.03.2020 - die bayer. Staatsregierung verkündet die Schließung der Schulen und Kitas ab Montag. Zimmerkollegin Y. verabschiedet sich auf unbestimmte Zeit, will von daheim aus arbeiten und gleichzeitig drei Kinder hüten sowie eins davon zu Hause beschulen (liebe kleine M., ich hätte Dir ein schöneres erstes Schuljahr gewünscht!)

N. und S. hätten an dem WE eigentlich in den Schwarzwald fahren wollen, zum Saisonabschluss der Kombis. N. hatte schon mächtig Bauchweh gehabt deswegen und aus Sicherheitsgründen einen Rückfahrt am frühen Montagmorgen gebucht um im Büro zu sein, da ja Y. abwesend war.

Der Weltcup wurde dann wegen Schneemangel abgesagt. Die Geld für die Fahrkarten bekamen wir später sogar erstattet bzw. Gutscheine.

Montag, 16.03.2020 - die Regierung von Oberbayern sagt die HP-Überprüfung ab. In aller Eile wird ein Schreiben entworfen, fast 500 Mal ausgedruckt und versandt. N. ist am Abend komplett am Ende.





Ausblick während der Drucker arbeitet. Der ehemalige Frauenknast "Am Neudeck", der jetzt zu teuren Luxuswohnungen wird.

N. hat kaum noch Zeit in die Kantine zu gehen (ein Hoch auf den Erfinder der 5-Minuten-Terrine).



Mitte März. Kollegin Y. ist wieder da. Als unabkömmlich eingestuft. An der Hotline benötigt. Kein Home Office möglich.

Dienstag, 17.03.2020 - das Landratsamt München wird ab sofort für den Besucherverkehr gesperrt. Einlass nur noch mit Termin. Bis ist bis heute (Mitte September) der Fall.

Ende März - durch die Kantine und die Cafeteria darf man nur im "Einbahnstraßenverkehr". 




Ende März - die Kantine wird geschlossen, Essen nur noch zum Mitnehmen. Kaffeemaschine abgeschaltet, Salatbuffet weg, Frühstücksangebot massiv eingeschränkt. N. und Kollegen blutet jeden Tag das Herz wegen dem ganzen Müll. 


Montag, 30.03.2020 - Besprechung mit dem Landrat. N. trägt zum ersten Mal im Leben einen Mund-Nasen-Schutz.


Dienstag, 31.03.2020 - N. und ihre Kollegen bekommen Schreiben bezüglich Systemrelevanz. Am 20.03.2020 waren in Bayern ja weitreichende Ausgangsbeschränkungen verhängt worden und das Verlassen der Wohnung nur noch in Ausnahmefällen erlaubt.



In den folgenden Wochen sind Busse und Bahnen extrem leer, die Straßen ebenso. Ruhig ist es, sehr sogar. Man hört keine Flugzeuge mehr, der Himmel ist unfassbar blau, die Luft wunderbar klar.

Später dann Urlaubssperre, Verbot von Reisen ins Ausland. Viele Kollegen arbeiten sieben Tage die Woche, die Diensthandys klingen rund um die Uhr.

Die Fallzahlen steigen währenddessen massiv an, es wird rund um die Uhr und am auch WE gearbeitet. N. hat insofern Glück, dass sie die HP-Überprüfung quasi abwickeln muss und in Sachen Corona erstmal außen vor ist, aber die Kollegen sind bereits am Ende. Die E-Mail-Fächer quellen über, jeden Tag neue Regelungen, die sich irgendwann niemand mehr merken kann, unter anderem sollen wir einmal täglich die Liste der Risikogebiete des RKI überprüfen. Wir alle lernen viel Neues, in kürzester Zeit.

Ganz nebenbei fällt so langsam aber sicher alles aus, was N. in diesem Jahr so vorhatte:

  • Tour of the Alps, Innsbruck, 20.04.2020
  • Stadtrallye des MVV
  • Betriebsausflug nach Regensburg, 22.05.2020
  •  Personalversammlung, 24.06.2020
  • Urlaub in Norwegen 20.06.2020-27.06.2020 (Eidsvoll, Lillehammer, Trondheim, Oslo)
  • Österreich-Rundfahrt, Kitzbüheler Horn, 06.07.2020 
  • Bergkriterium Dachau, 15.08.2020
  • Deutschland-Tour, Nürnberg, 23.08.2020
  • SGP der Kombis August/September 
  • Münsterland-Giro, Münster, 03.10.2020

Im Amt macht N. all das, wozu die anderen keine Zeit mehr haben. Legt Ordner mit den positiven Fällen an bzw. sortiert diese. Waren es zu Anfang nur zwei (A-K und L-Z), so werden es schnell zehn und weniger später einer pro Buchstabe. N. ermittelt Kontaktdaten von Positiven und telefoniert sich dabei quer durch Landkreisgemeinden. Berät auch am Telefon. Trägt Daten in Listen ein. Übernimmt, zusammen mit einer Kollegin, auch noch das Fallmanagement.

Zwischendurch arbeitet N. sich auch noch in die Bearbeitung der Todesbescheinigungen ein und hilft ihren Kolleginnen an der Hotline aus, wenn dort jemand nur Englisch spricht (habe heuer zum ersten Mal in meinem Leben mit Leuten aus Israel und Indien telefoniert. Israel jederzeit gerne wieder, Indien nicht. Israelis können Englisch. Inder nicht.)

Bekommt Zugriff auf immer mehr Programme und Laufwerke.

Dienstag, 21.04.2020: Die Stadt München sagt die Wiesn ab. Allerspätestens JETZT wird allen klar, wie ernst die Lage wirklich ist.

Ende Mai: Das Kontaktpersonen-Management geht von den Städten und Gemeinden des Landkreises zurück ans LRA selbst. In den Tagen zuvor wird versucht, noch so viel wie möglich von uns an die anderen loszuwerden. N. findet eines Morgens eine lange, sehr unleserliche Liste mit Kontaktdaten eines Geschäfts auf ihrem Tisch, die so schnell wie möglich abtelefoniert werden sollen, um die Wohnorte zu ermitteln (wir zuständig oder andere KVB -> Kreisverwaltungsbehörde).

Kontaktdatenermittlung und -weiterleitung quer durch Bayern, Deutschland und ins Ausland. 

Danke für nix, ihr Schmierfinken!

In der Nacht vor dem Monatswechsel sind zwei Kolleginnen bis morgens um 3 Uhr im Amt und entwickeln einen Plan für die Bearbeitung der KP1 (Kontaktperson 1) bei uns im Amt.

Dafür werden nun auch Leute gebraucht und N. bekommt den ersten "festen" Job in Sachen Corona. Die nächsten zehn Wochen vergehen mit viel Arbeit und noch mehr Kopfschütteln darüber, wie dumm, dreist, doof und leichtsinnig die lieben Mitmenschen so sind. Wir im Amt arbeiten uns völlig auf um die Pandemie einzudämmen und einem Teil der Menschheit scheint alles völlig egal zu sein.

Mitte Mai: Norwegen erlässt eine Einreisesperre für Deutsche. N. und S. stornieren alles am Urlaub, was stornierbar ist. Die Pension in Lillehammer stellt sich quer, wir können es nur auf 2021 verschieben. Auf die Erstattung der Lufthansa warten wir auch bis heute. 

Ende Juni: N. muss jetzt auch mal an einem Samstag ran und bekommt dafür auch an Wochenenden und Feiertagen eine Zugangsberechtigung fürs Amt. 

Man fährt lustig in den Urlaub, bevorzugt in Risikogebiete, trifft sich mit der halben Nachbarschaft in Restaurants, feiert Familienfeiern usw. usf. 

Da die neuen Fälle meist erst gegen 15 oder 16 Uhr eintrudeln, werden irgendwann die Arbeitszeiten auf den Zeitraum von 8 bis 16 Uhr festgelegt. An einem Tag ist N. von 7:30 bis 17:45 im Büro um einen Fall mit zig Kontaktpersonen aufzudröseln, anzulegen und weiterzuleiten.

Die Überstunden werden immer mehr und Anfang September gibt es dann die Möglichkeit, sich davon etwas auszahlen zu lassen. N. entscheidet sich dafür, sich 35 Stunden vergüten zu lassen, Auszahlung wird im Dezember erfolgen. 

Sah es im Mai und Juni deutlich besser aus in Sachen Neuinfektionen, so steigen diese mit Beginn der Sommerferien rapide an. Unsere Wut auf all die, die unbedingt in Risikogebiete fahren müssen, steigt ebenso schnell. Die Leute im Contact-Tracing-Team und Team Einreisende arbeiten unvorstellbar viel. 

Mitte August wird N. vorübergehend aus dem Contact Tracing entlassen, da die Vorbereitungen für die nächste HP-Überprüfung anstehen. Neben Heilpraktikern mache ich jetzt aber noch Bescheinigungen für die häusliche Isolation.

Stand 13.09.2020: N. hat 50 Überstunden und 41 Tage Urlaub, elf davon aus dem letzten Jahr. Eigentlich wären die elf Tage bereits mit Ablauf des Mai weggefallen, aufgrund der Pandemie konnte man die Resturlaubstage aber bis in den September mitnehmen. Wobei das für mich aufs gleiche rauskommt - nehmen konnte ich sie auch jetzt nicht. 

Ich hatte heuer bisher drei Tage Urlaub und nach Lage der Dinge wird es dabei bleiben. In mir steigt die Wut hoch, wenn ich dann Dinge wie den Vorfall aus Garmisch-Partenkirchen lesen muss. Danke für nichts, du egoistisches A....loch!

Langsam aber sicher geht es an die Substanz...

Montag, 14.09.2020: N.s letzte Radltour ist ein Jahr her. Seit diesem Tag steht mein Radl unbenutzt im Schuppen.

Mittwoch, 16.09.2020: Aufgrund stark steigender Infektionszahlen in der Region ab sofort Maskenpflicht im gesamten Landratsamt mit Ausnahme des eigenen Büros.

Ende September 2020: Die Infektionszahlen im Landkreis steigen an, vor allem im Schulen und Kindergärten. Für sämtliche Dienstgebäude des Landratsamtes gibt es ab sofort eine "Corona-Ampel".

Mittwoch, 30. 09.2020, 21:27 Uhr: In zwei Stunden und 33 Minuten sind N.s 11 Resturlaubstage aus 2019 ersatzlos Geschichte. Am 30.09.2018 war N. das letzte Mal bei einem Radrennen....

Mittwoch, 07.10.2020: N. und Y. sind mit den Vorbereitungen für die nächste schriftliche HP-Überprüfung, die am 14.10.2020 stattfinden soll, fertig. Gleichzeitig steigen die Infektionszahlen in München Stadt und Land langsam aber sicher wieder an. Wir zittern, nochmal darf das ganze einfach nicht ausfallen...

Mit verantwortlich für die hohen Fallzahlen sind mehrere Großhochzeiten im LK, was im Gesundheitsamt zu ziemlicher Wut führt! Danke für nichts!

Dienstag, 13.10.2020: Die Infektionszahlen in München-Stadt führen zu einer 7TI von über 53. Team HP zittert um die Prüfung, wir schauen dauernd auf die HP der Stadt, ob dort schon etwas von einer Absage steht. N. bleibt bis nach 17 Uhr im Büro. Im Infonet des LRAs wird angekündigt, dass die Corona-Ampel am nächsten Tag auf rot stehen werde...

Mittwoch, 14.10.2020, der große Tag, der Tag, auf den wir hingearbeitet und hingefiebert haben. Doch am Ende geht alles glatt, die meisten Prüflinge erscheinen auch vor Ort, niemand zeigt Symptome. N. und Kollegen stehen in Halle vier des MOC Veranstaltungscenters und atmen tief durch. Rückstand an Prüflingen deutlich abgebaut.

Dienstag, 27.10.2020: N.s letzte Wanderung ist ein Jahr her.

Fortsetzung folgt!

Mittwoch, 5. Februar 2020

Continental Cup Brotterode, 07.02.-09.02.2020

Freitag, 07.02.2020 - lange, lange Anreise, Bratwurst gegen den Hunger, ein Abend an der Schanze und wir laufen nie wieder irgendwelchen Italienern hinterher!

Anreise N: München-Ingolstadt-Nürnberg-Coburg-Sonneberg-Wernshausen-Brotterode.

N. verließ die Wohnung um 8 Uhr. Zug bestiegen am Münchner Hbf um 9:02 Uhr.


Im IC von Ingolstadt nach Nürnberg.

Kaum war es 15 Uhr schon stand ich in Wernshausen und traf dort auf R. 15:12 Uhr ging der Bus nach Brotterode. Glücklicherweise waren unsere Züge pünktlich, denn sonst hätten wir entweder vier Stunden auf den nächsten Bus warten oder ein Taxi nehmen müssen.

In Brotterode angekommen, zerrten wir unsere Koffer zur Pension und verteilten unsere Siebensachen im Zimmer. Danach schnell zum Edeka, Proviant holen und dann ab an die Schanze.

Dort holte sich N. erstmal eine richtig schöne Thüringer Rostbratwurst! Huuunger! Genauso köstlich wie im Jahr zuvor. Das bisschen Thüringer in mir war selig.

Da wir letztes Jahr nicht bei der Teampräsentation gewesen waren, wussen wir nicht genau, wo im Auslauf das Ganze eigentlich über die Bühne gehen würde. Zunächst standen wir am Exit-Gate. Dies wäre, wie sich später herausstellte, richtig gewesen. Wäre...






Wenig später stand dann Team Italia neben uns. Nach einer Weile bewegten die Jungs der Squadra Azzura sich vom Exit-Gate weg. Wir dachten uns, die wüssten bestimmt wo sie hin müssten und liefen ihnen unauffällig hinterher. Fehler, schwerer Fehler.

Am Ende standen wir himmelweit vom Ort des Geschehens weg. Bläde Italiener!

Fesch waren sie ja, aber hilfreich nun nicht.

Die Teamvorstellung war dann aber ganz, ganz toll, da kann sich so mancher Weltcuport eine dicke Scheibe davon abschneiden.

Zuerst wurden die Fahnen der teilnehmenden Nationen präsentiert, von dem in Brotterode "Schanze-Dimmler" genannten Tretkommando. Diese fuhren auf Skiern den Auslauf hinunter.

Danach kamen die Mannschaften. Wir hatten uns zuvor gewundert, was die Kinder im Auslauf damit zu tun hatten. Diese trugen die Leiberl mit den Startnummern über ihren Winterklamotten. Dies sollte sich gleich klären.

Nachdem alle Teams jeweils komplett auf der Bühne  im Auslauf erschienen waren, kamen noch die jeweils zehn Besten bei Männern und Frauen einzeln und bekamen von den Kindern die jeweilige Startnummer.

Neben uns stand eine Dame, die fast vor Stolz platzte, da ihre Enkelin auch dabei war. Sie erzählte uns noch, dass die Kleine auch selber springen würde und sogar schon ein paar Mal gewonnen habe.

Als vor Ort alles durch war, wollten wir nur noch in unser Zimmer und uns ausruhen. Und auch um zum x.-ten Male den Wetterbericht zu prüfen. Seit dem 05.02. hatte es Meldungen über einen Orkan am WE gegeben. Wir überlegten hin und her. Am Sonntag früher fahren und auf jeden Falls sicher heimkommen oder volles Risiko gehen, bleiben, alles sehen und am Ende irgendwo stranden?

Samstag, 08.02.2020- ein laaaaaanger Tag an der Inselsbergschanze




Bestes Wetter am Samstag 

Am Samstag machten wir uns gegen 9 Uhr auf den Weg rauf zur Inselsbergschanze. Es würde ein langer Tag an der Schanze werden, ein seeehr langer. Zwei Trainingsdurchgänge Herren, zwei bei den Damen, dann der Wettkampf der Damen, die Probe der Herren und dann der Wettkampf der Männer.

Und dann immer der bange Blick auf alles, was sich theoretisch im Wind bewegen könnte...

Wir hatten den ganzen Tag an der Schanze absolut kein Netz und konnten somit auch die Wetter- bzw. Windvorhersage nicht prüfen. 


Skisprung-Elch Espen-Mikko hatte Spaß an der Schanze

Bei den Damen gab es einen deutschen Sieg, Pauline Heßler war die beste. Die Siegerehrung zögerte sich extrem hinaus. Wir vermuteten eine DSQ, konnten dies aber mangels Internet ja nicht prüfen. 

R. meinte irgendwann, die Mädels würden sich bestimmt noch schminken und die Nägel machen. *gg* 

Zum Mittagessen wieder Bratwurst. 

Der Tag fing an, sich in die Länge zu ziehen. Wir vertrieben uns die Zeit mit dem Fotografieren der Athleten und quatschen. 

Bei den Herren lag Joacim Oedegaard nach Runde 1 auf Platz 2. 


Wir hoffen so sehr, dass er das würde halten können, doch leider verschlechterte sich das Wetter, es fing an zu regnen und Joacim fiel auf Platz 17 zurück. War er nach DG 1 noch das reinste Sonnenscheinchen gewesen, so war seine Laune jetzt ganz weit unten. Er tat uns so leid. 

Nach dem Ende des Springens wollten wir noch was essen, doch die Buden hatten schon zu. Wir beschlossen ins Festzelt zu gehen. 

 Das erste Zelt war das VIP-Zelt, in das wir nicht hinein durften. Das zweite Zelt war zwar das Festzelt, kostete aber 10 € Eintritt. Wir verzichteten darauf und beschlossen stattdessen, irgendwo im Ort noch was Essen zu gehen. Kurz in die Pension, die Hälfte der Klamotten ausgezogen und die Rucksäcke abgestellt. 

Mit Hilfe des dort vorhandenen W-lans und Google Maps den Weg zum Pfefferstübchen rausgesucht. Unterwegs verlaufen. Wieder zurück, W-lan und Weg neu eingegeben. Diesmal gefunden. 

Endlich sitzen, endlich was essen und trinken.



Nach dem Essen zurück in die Pension und zum hundertsten Mal die Wettervorhersage überprüft, die schlechter und schlechter wurde. Gegen 22 Uhr beschlossen wir schweren Herzens, am nächsten Morgen die vorzeitige Heimreise anzutreten. 

Sachen eingepackt und dann noch lange gequatscht. Während wir da also im Zimmer rumwuselten und packten, fragten wir uns, ob das Brotterode-Gesetz auch am Sonntag wieder greifen würde.

Anmerkung der Redaktion zum Brotterode-Gesetz: Dies besagt, dass wenn einer von uns (N.) am Sonntag nicht mehr anwesend ist, gewinnt ein Norweger. 

Sonntag, 09.02.2020 - Flucht vor dem Sturm und das Brotterode-Gesetz galt auch heuer wieder am Sonntag

Heimreise N: Brotterode-Wernshausen-Grimmenthal-Schweinfurt-Bamberg-Nürnberg-München

Wir stellten den Wecker auf 6:45 Uhr, hatten geplant uns dann ein Taxi zu rufen, nach Wernshausen zu fahren und dort jeweils in einen Zug der Südthüringen-Bahn zu steigen, N. Richtung Süden, R. Richtung Norden.

R. hatte zwar Tickets mit Zugbindung, die DB hatte sich in den Tagen vor dem Sturm aber kulant gezeigt und diese bereits im Vorfeld aufgehoben.

Tja, soweit der Plan. Wir wollten eigentlich beide um 9 Uhr in Wernshausen abfahren, bekamen aber kein Taxi. Noch morgens im Zimmer länger vergeblich telefoniert. Die Vermieterin hatte dann zum Glück noch eine Ausgabe der lokalen "Gelben Seiten", in denen ein Taxi-Unternehmen aufgeführt war, welches Google nicht kannte.

Dort bekamen wir eine Fahrt, mussten aber eine Stunde darauf warten.

Eine halbe Stunde Fahrt später und mit 40 € weniger in der Tasche waren wir dann in Wernshausen. Es windete wie verrückt.

Unsere Züge kamen dann beide pünktlich und wir machten uns auf eine jeweils lange Heimreise, bei der am Ende alles gut ging.

Unterwegs - so Internet verfügbar - per FIS-Ticker das Geschehen in Brotterode verfolgt. Das Gesetz behielt Gültigkeit - N. nicht mehr vor Ort, Norweger gewinnt.

Grattis Joacim - wir hätten es beide zu gern live gesehen!

Eine Stunde, nachdem R. ihre Akunft zu Hause gemeldet hatte, wurde in NRW der Fernverkehr eingestellt.

N. kam auch gut nach Hause, vom Sturm war im Süden nichts zu spüren.

Nachdem wir uns beide einige Tage erholt hatten, fingen wir an die Tour nach Brotterode für 2021 zu planen - diesmal dann aber im Hotel mit Frühstück.







Nordic Triple Seefeld, 31.01.-02.02.2020

Seefeld mal wieder. Ein Jahr nach der für Team Norwegen und uns so großartigen WM. Wir waren gespannt, wie es werden würde, freuten uns aber auch darauf, dass alles wieder ruhiger und gemütlicher sein würde.

Freitag, 31.01.2020/Vorwort - CD für Espen und ein kleines Drama abends um 20 Uhr

Die (blöden) Ideen gehen uns beiden ja scheinbar nie aus und so fiel uns auch für den Weltcup im schönen Tirol wieder was ein. Espen A. steht auf deutsche Schlager, das wussten wir nach den letzten Saisonabschlusspartys in Schonach. Dort steht er stets vorn beim DJ, der ihn schon als " seinen Freund aus Norwegen" bezeichnet.

Und so beschlossen wir, Espen in Seefeld eine selbstgebrannte CD mit deutschen bzw. deutschsprachigen Schlagern zu schenken.

Und er scheint auch gut Deutsch zu sprechen, durfte sich mal ein Lied wünschen und tat seinen Wunsch in perfekten Deutsch kund  - "Schatzi, schenk mir ein Foto" wollte er hören.

Wie gut seine Sprachkenntnisse wirklich waren, wollten wir eine Woche vorher in Oberstdorf testen, aber da war dem lieben guten Espen irgendeine riesengroße Laus über die Leber gelaufen und er somit nicht ansprechbar.






In Odorf hatten wir uns nicht einmal verlaufen, in Seefeld dafür gleich am ersten Tag so richtig. Google Maps rettete uns.

Wir checkten im Hotel ein und bekamen eine Schlüsselkarte. Die wirklich freundliche Mitarbeiterin des Hotels "Berghof" war erst der Meinung, ich hätte ein Appartment mit zwei Schlafzimmern und zwei Bädern gebucht.

??????????????? Ehm what?

Am Ende klärte sich alles auf.

Da wir Zimmer 12 nicht fanden, half uns eine der Hotelangestellten aus und öffnete für uns die Tür. Das war der Beginn eines späteren Problems, doch davon konnten wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts ahnen.

Wir packten unsere Rucksäcke und machten uns auf den Weg zur Schanze. Der Eingang zur Casino- bzw. WM-Arena war der gleiche wie früher. Schön.

An der Schanze angekommen stellten wir jedoch fest, dass die Athleten nach ihrem Sprung nicht mehr den Auslauf entlang laufen, sondern woanders abbiegen würden.



S. bekam dann eine Nachricht von A., die wir am Bergisel kennengelernt hatten. Sie war auch da und meinte, wir sollten uns doch zu ihr stellen. Wir sahen eine sehr große norwegische Fahne, nur A., die war nicht da.  Na ja, würde schon wiederkommen. Wir uns dort hingestellt. Direkt gegenüber der Leaders Box.

Nach einer Weile kam A. zurück und wir waren zu Dritt.


Janne Ahonen. Interessierte außer uns nur leider niemanden...

Als wir da so standen und in die Sonne schauten, windete es vor sich hin. Mal mehr, mal weniger. Wir begannen um das Trippel zu zittern, gab es doch nur einmal die Möglichkeit des PCR.

Das Trial ging schließlich durch, der Wettkampfsprung dann auch. Wir waren erleichtert und A., die nur am Freitag vor Ort sein würde, ganz besonders.

Die Windverhältnisse waren zwar relativ wechselhaft gewesen, aber zumindest hatte man ein Ergebnis.

Lange Zeit hatte Harald Johnas Riiber geführt, doch am Ende überflügelte ihn sein kleiner Bruder.

Fünf Norweger unter den besten Acht nach dem Springen. Wiedermal unfassbar.


Harald genoss die Leaders box sichtlich!






Die Eltern der beiden müssen vor Stolz geplatzt sein!


"Und, was machen Sie so beruflich?" " Bin Packesel beim Kombinertlandslaget!"


Stolzer Cheftrainer Peder Sandell

Da wir uns nicht ganz sicher waren, wie und wo die LL-Strecke verlaufen würde, fragten wir die Medienbeauftragte der FIS (oben im Bild).

"Also so und dann da lang, den Berg runter und wieder rauf, die Kurve da, bei der Hütte links..."

"??????????????"

"Ihr könnt auch einfach hier stehen bleiben, da kommen sie auch entlang"

Wir gingen dann nur ein Stückchen näher zur Schanze und fanden einen wunderbaren Platz.

Da ja heute nur 5 km gelaufen wurden, war es schnell, sehr schnell. 

Bei jedem Zieldurchlauf wurde  der Tramplan eingespielt. 

Jarls Sieg war nie in Gefahr, aber dahinter war es spannend. Am Ende setzte sich Vinzi Geiger knapp vor Jörgen Graabak durch. 

Am heutigen Tag würden ja nur 50 Athleten die Quali für den zweiten Tag schaffen. Ondrej Pazout aus Tschechien war leider nicht ins Ziel gekommen, so dass niemand mehr ausschied.



Stolzer Cheftrainer Peder Sandell 2.0


Tom Hilde, inzwischen einer der Sprungtrainer der Norges


Jarl, der kleine Krösus. Immer freundlich, immer zugänglich.

Wir blieben noch eine Weile, sammelten Fotos und Autogramme und freuten uns einfach des Lebens.

Später waren wir dann, wie üblich, im Schwimmbadrestaurant essen.




Nach dem Essen A. zum Bahnhof begleitet. Danach machten N. und S. sich auf ins Hotel. Das Handy von S. bzw. dessen Akku war mausetot, komplett leer.  Ladegerät natürlich im Zimmer.

N. hatte noch fünf Prozent. Das dies gleich Gold wert sein würde, wurde uns gleich sehr schnell sehr deutlich bewusst.

Die Schlüsselkarte fürs Zimmer funktionierte nämlich nicht...N. suchte bei Booking die Nummer des Hotels raus und rief an. Die Rezeption war nicht mehr besetzt. Zum Glück ging gleich jemand ran und versprach zu kommen. 

Im Zimmer erstmal die Mobiltelefone geladen, wir Süchtlinge wir *gg *

Nächstes Problem: W-lan-Passwort nicht bekannt. S. rief nochmal an und bekam es.

Wie sagen die Norweger so schön?

"For en dag!"


Samstag, 01.02.2020

Am nächsten Morgen fanden wir unseren Tisch im Frühstücksraum nicht. Keiner mit einem Schild mit einer 12 darauf. Wieder nachgefragt und jetzt klärte sich auch das mit dem Appartment. Zimmer 5 und 12 liegen nebeneinander und werden bei Bedarf als ein Appartment vermietet, da durch eine gemeinsame Eingangstür vor den eigentlichen Türen verbunden.

Das Frühstück war dann wirklich gut, es gab alles und noch mehr und einen tollen Ausblick noch dazu.


Der schneebedeckte Berg in der Bildmitte ist die Hohe Munde, 2662 m hoch.

Nach dem Frühstück schilderten wir unser Problem vom gestrigen Abend nochmal und bekamen noch eine zweite Schlüsselkarte.

Diesmal waren wir schlauer und testeten beide, bevor wir zur Schanze aufbrachen und nahmen auch die Ladegeräte sowie die des Nachts geladene Powerbank mit! Auf dem Weg ins Stadion noch in den Drogeriemarkt, um ein Foto vom Handy auszudrucken und in den Supermarkt zwengs Proviant.

Im Stadion wieder an die gleiche Stelle wie gestern gestellt. Sonne pur, blauer Himmel und mild. Der liebe Gott war mal wieder ein Tiroler.

Der Tag begann, wie der vorherige geendet hatte. Jarl vorne und das schon im Trial.

Beim Springen war wieder lange Harald vorn, am Ende gewann aber wieder sein Bruder.



Ben Loomis, USA


Harald Riiber, als er noch guter Dinge war.




Drei Bilder von Espen Björnstad


Jens Oftebro


Jörgen Graabak



Jarl, der kleine große Kombi-König

Einige der Umstehenden wunderten sich über die Platzierungen nach dem Springen. Auch eine Erläuterung unsererseits bezüglich dem Modus des Triples half hier nicht weiter. :(

Während wir da also so standen und uns über eine erneute Riiber-Doppelführung freuten, beendete ein Blick in den FIS-Ticker diese jäh. Riiber dsq. Diesmal aber Harald, nicht Jarl.

Hmpf. Jetzt durfte er mal in den Weltcup, lag nach dem ersten Tag auch richtig super, war heute 110 Meter gesprungen und dann das.

Jarl hatte nach dem Springen bereits 1 Minute Vorsprung vor dem Zweitplatzierten. Da sollte eigentlich nix mehr schiefgehen.

Wir wechselten von der Schanze an die Loipe und machten uns bereits zum Anfeuern.

Einen weiteren kleinen Dämpfer bekam unsere Freude, als uns der Ticker verriet, dass Espen Andersen nicht zum Lauf gestartet war...hmpf...es war nun wirklich nicht seine Saison...

Am Ende kam es so, wie es kommen musste. Jarl gewann, diesmal wurde Jörgen Zweiter und Vinzi Dritter.

Spannend war es zum Ende des Laufs dann noch in Hinblick auf die Gesamtwertung, da ja nur die besten 40 des Tages sich für den letzten, dritten Tripletag qualifizieren würden. Besonders spannend war es, da die letzten im Wellenstart gestartet waren und im Ziel dann noch was aufaddiert bekommen würden.

Wir klebten am Ticker. Team FIN verlor zwei Athleten, die Amis ebenso. Von Team Norwegen schaffte der kleine Andreas Skoglund es gerade so als 40.

Wir schauten uns noch die Siegerehrung auf der Videowand an und anschließend noch etwas dumm in der Gegend herum.



Zweiter Tag, gleiches Bild. Jarl vorne.


Cheftrainer Peder Sandell.


Siegerinterview mit dem norwegischen Fernsehen.

Als wir nach dem Rennen das Stadion verließen, die norwegischen Fahnen in der Hand, meinte ein Mann zu seiner Begleitung ganz beeindruckt "Ach schau, das sind Norweger!" - als ob so ein Norweger irgendeine seltene Tierart wäre oder so. *gg *

Zum Abendessen wollten wir diesmal in eine Pizzeria am anderen Ende von Seefeld. Gastraum gesteckt voll, wir mussten uns zu anderen Leuten dazu setzen. Nudeln nicht schlecht, aber ziemlich fettig. Neben uns Niederländer (oder Belgier), auf der anderen Seite nach einer Weile zwei junge Leute aus den USA (der Sprache nach).

Die Käsköppe Holländer brachen eine Weile vor uns auf. Als wir gehen wollten, war meine schöne blaue Mütze weg...

Hmpf!

Am Heimweg einmal quer durch den Ort noch das hier abgelichtet:


Sah in Natura noch viel viel schöner aus!

Sonntag, 02.02.2020

Und schon stand der dritte und letzte Triple-Tag an. Nach einem weiteren tollen Frühstück durften wir die Koffer nach bis nachmittags im Hotel lassen und stiefelten somit nur mit den Rucksäcken ins Stadion. Die Sonne war leider verschwunden.



Wir waren relativ früh im Stadion und konnten somit auf der Videowand das Finale der Australien Open verfolgen. Ein Gestöhne war das. Österreich war elektrisiert, stand mit Dominik Thiem doch einer der ihren im Endspiel (am Ende leider verloren).

Nach Tag zwo führte Jarlemann mit jeweils etwas mehr als einer Minute vor Jörgen und Vinzi. Der Sieg sollte ihm nicht mehr zu nehmen sein, doch dahinter war es spannend.


Harald Riiber - nach seiner DSQ vom Vortag als "Mädchen für alles" eingeteilt bei den Norwegern. Er sah entsprechend begeistert aus...

Die Tage vorher hatte Ivar Stuan, der Sportchef der Norweger, diesen Posten bekleidet.

Espen Björnstad konnte nach seinem Probesprung kaum noch laufen, hatte irgendwas am Knie. Der Sportchef der Norges musste ihn stützen. Wir befürchteten das Schlimmste, doch er trat im Wettkampfsprung an.


Raffa Buzzi in der Leaders box. Passiert ihm auch eher selten.


Ilkka Herola


Ach ja, Jarl gewann das Springen. Wer hätte das gedacht!

Nach dem Springen führte, zur großen Überraschung aller, Jarl. Er hatte knapp 1,5 Minuten Vorsprung vor den nächsten fünf Athleten.

Da diesmal relativ viel Zeit bis zum Lauf war, marschierten wir wieder ins Stammlokal und nahmen dort eine kleine Stärkung zu uns. Die Eintrittskarten wurden entsprechend gescannt und so konnte man problemlos rein und raus. Danke Seefeld!

Kurz vor dem Start des Laufs meinte der Stadionsprecher, die heutigen Bedigungen auf der Loipe (weich und tief) kämen eher leichten Athleten wie Akito Watabe entgegen, Jarl jedoch weniger.

Alles klar, Jarl ist ja auch so fett...

Bei den Zieldurchläufen wieder der Tramplan. Ach Espen, das wäre was für dich gewesen...

In der letzten Runde liefen wir näher zum Ziel.  Zur großen Überraschung gewann Jarl auch am dritten Tag, doch dahinter war es enorm spannend. Jörgen Graabak wurde mit 0,4 Sekunden Vorsprung vor Vinzi Geiger Zweiter. Sehr schön!

Der kleine Jens Oftebro kam bei seinem ersten "Trippel" auf Platz vier. Hut ab!

Wir blieben natürlich noch zur Siegerehrung im Stadion und freuten uns des Lebens.


Jarl mit der Trophäe



Jarl mit Fans (echte Norweger)

Das war ein tolles Triple mit dem ersten Sieg eines Norwegers!




30 Jahre Deutsche Einheit