Sonntag, 29. Mai 2005

Kuopion etapit 2005 - ein Radrennen in Finnland

Kuopion etapit 2005 28./ 29.05.05

Ein Radrennen in Finnland. In Kuopio. 400 km nördlich der Hauptstadt Helsinki oder 400 km südlich des Polarkreises. Den Temperaturen am Samstag nach eher das zweite - 10 Grad und ein irrer Wind.
Ich trug ein langes dünnes Sweatshirt, darüber das C4F-T-Shirt, dazu meine Langlaufjacke, sowie Stirnband und Handschuhe und ich habe ziemlich gefroren.

Schon vor meiner Abreise nach Finnland hatte ich etwas über das Rennen herausgefunden und freute mich darauf, auch im hohen Norden nicht ohne Radsport leben zu müssen.
Im Januar lief ich einmal die steile Straße auf den Puijo zum Aussichtsturm und den vier Schanzen hinauf und dachte mir, fies wie ich bin, diese wäre „nett“ für ein Radrennen.
Der Winter blieb bis Mitte Mai und ich dachte lange nicht an Radsport.

Erst Ende Mai kam es mir wieder in den Sinn und am Tag des Rennens gab es tatsächlich etwas darüber in der Zeitung „Savon Sanomat“.

Im Artikel „Maantiecupin Kuopion etapit aloittaa Puijolla“ (Die Radsportveranstaltung „Kuopion etapit“ beginnt auf dem Puijo) konnte der geneigte Leser erfahren, dass der Auftakt der zweitägigen Veranstaltung am Samstag, 28.05.05 am Vormittag aus einem Bergzeitfahren auf den Puijo, auf finnisch „mäkitempo“, bestand.

Richtig bergig waren zwar nur die letzten 1,2 km, dafür aber so richtig.
Der Berg ragt zwar nur 150 m über die Stadt, aber die Straße führt geradewegs hinauf und nicht in Serpentinen.

Am Abend stand dann die zweite Etappe auf dem Programm, um 19:15 Uhr im Stadtteil Väinölänniemi, hier „kortteliajo“ genannt, „Stadtteilrennen“. 20 Runden bzw. 48 km waren zu fahren mit 3 Zwischensprints (välikiriä) und auf Endsieg bzw. Zielsprint (maaliintulokiri). Sprint heißt kiri.

Am Sonntag, 29.05.05 war dann die dritte und letzte Etappe angesagt, ein Straßenrennen (maantieajo) mit 152 km.
Also praktisch ein „Criterium International“ im hohen Norden.

Soweit, so gut. Ich fuhr an diesem Wochenende nicht mit ins Sommerhaus nach Leppävirta sondern frönte in Kuopio meiner Radsportleidenschaft.

Erste Etappe, Samstag 28.05.2005: Bergzeitfahren auf den Puijo

Am Samstag startete das Rennen auf den Puijo bereits um 11 Uhr. Es war ein Bergzeitfahren über 5 km. Ich machte mich gegen halb 11 im Süden der Stadt mit dem Radl auf den Weg zum Ort des Geschehens. Fieserweise geht es in dieser Richtung ständig bergauf und der miese Nordwind machte die Sache nicht gerade leichter. An zwei Ampeln wäre ich bald vom Rad geblasen worden.
Kurz nach elf war ich am Fuße des Berges angelangt, von hier an führte die Puijontie (Puijostraße) steil und geradewegs nach oben. Angesichts der massiven Steigung beschloss ich, mein rotes Fahrrad der Marke „tunturi“ schiebenderweise nach oben zu bringen. Auf ca. halbem Wege blieb ich erst einmal stehen und beobachtete die ersten Fahrer. Sie schnauften entsetzlich.

Zu meinem Entsetzen war die Straße auch während dem Rennen nicht gesperrt, nein es fuhren munter Pkws, Lkws und auch Reisebusse rauf und runter...

Ein Fahrer war sogar mit richtigem Zeitfahrrad angetreten, mit Scheibenrad und Zeitfahrhelm. Ich fragte mich ob das angesichts von „dauernd bergauf“ so sinnvoll sei, denn auch die Kilometer vor dem eigentlich Berg auf der Straße namens „Kallantie“ waren alles andere als flach.

An meinem Standort begann es zugig zu werden und ich beschloss einen anderen zu suchen. Ich schob mein Rad weiter nach oben. Bereits in Sichtweite des Aussichtsturms war es dann windstill und ich hatte einen klasse Blick nach unten, auf den steilsten Teil der Straße. Hier oben lag sogar noch ein bisschen Schnee...

Plötzlich kam dann ein Radler. Mit lockerem Tritt fuhr er einfach so an den anderen vorbei, welche keuchend und mit grauem Gesicht sich nach oben quälten. Leider verfügte ich über keine Startliste und konnte somit nicht erfahren, wie die Bergziege hieß.
Als die Radler oben waren, fuhr ich nach unten und zurück nach Särkiniemi um meine persönliche Verpflegungskontrolle durchzuführen. Diesmal ging es nahezu dauernd bergab und das Fahren war die reine Freude, besonders die ersten Kilometer, welche vom Puijo hinunter führten.

Ergebnis BZF Elite Männer, 5 km:

1. Marko Leppämäki 9.18,8 min
2. Aki Turunen 9.23,8 min
3. Mathias Hannus 9.30,6 min
4. Anders Bäckman 9.23,0 min
5. Jarmo Rissanen 9.33,6 min
6. Teemu Lemmettylä 9.39,4 min


2. Etappe, Samstag, 28.05.2005, Rundstreckenrennen im Stadtteil Väinölänniemi, 48 km

Abends sollte es wie gesagt um 19:15 Uhr im wunderschön auf einer Landzunge im See gelegenen Stadtteil Väinölänniemi mit dem Rundstreckenrennen weitergehen. Es war immer noch so kalt wie am Morgen und auch erst 14 Tage her seit dem es den letzten Schnee gegeben hatte.

Diesmal war ich sehr pünktlich an der Strecke und hatte freie Platzwahl. Außer mir spürte wohl keiner der ca. 90.000 Einwohner Kuopio’s das Verlangen, sich im eisigen Wind das Spektakel live vor Ort anzusehen. Nach einer Viertelstunde sah ich die ersten Radler sich gemütlich warm fahren. Sie waren ähnlich eingemummt wie ich. Am Morgen hatte KitKat mir noch von Temperaturen um 30 Grad bei der Bayernrundfahrt berichtet. Ich stand am Seeufer und zitterte – drei Wochen vor Sommeranfang.

Endlich erfolgte der Start. Die ersten Runden wurden noch in ruhigem Tempo und geschlossenem Feld durchgeführt. Dann gab es die ersten Angriffe und es bildete sich eine dreiköpfige Spitzengruppe, die auch lange vorn blieb. Der erste Fahrer gab nach 3 Runden auf. Inzwischen hatte ich auch ein wenig Übersicht bekommen und mir fielen die vielen Fahrer auf, die fürs Team Chebici starteten. Diese fuhren auch stets in vorderen Positionen.

Wie bereits am Vormittag stellte sich mein Standort als sehr zugig heraus. Ich stellte mich ein wenig mehr in Richtung Stadt und oh Wunder, hier gab es noch etwa 10 weitere Radsportfreaks die sich hinter dem heimischen Saunaofen hervorgewagt hatten.
Der Himmel war verdächtig grau und ich blickte immer wieder hinauf. Doch alles Wünschen half nichts, gegen Mitte des Rennens begann es zu regnen. Da ich keinerlei Lust verspürte, tropfnass zu werden, fuhr ich auf schnellsten Wege zurück nach Särkiniemi. Dort angelangt, war es wieder trocken....

Ergebnis Rundstreckenrennen Elite Männer, 48 km/ 20 Runden:
1. Earendel Fingerson 1.11,25 h
2. Jukka-Pekka Santala 1.11,35 h
3. Oscar Stenström 1.11,50 h


3. Etappe, Sonntag, 29.05.2005 Straßenrennen, 152 km

Nachdem ich bereits die ersten 2 Etappen live an der Strecke verfolgt hatte, wollte ich, getreu der Devise, aller guten Dinge sind drei, auch dem letzten Teil des Klassikers Kuopion etapit, beiwohnen. Meine Gastfamilie hatte sich den Zeitungsartikel angesehen und gemeint, ja, das ist kein Problem, das ist in Sorsasalo, ca. 10 km entfernt und die Straße dorthin ist ganz flach!
Ich stand frühmorgens auf, aß zur Stärkung einen anständigen Getreidedrei mit Blaubeeren, typisch finnisch. Heute war auch das Wetter besser. Ich packte meinen Rucksack, als langjähriger Profifan hat Frau ja Erfahrung was an der Strecke benötigt wurde. Gegen halb 9 Uhr schwang ich mich aufs Radl, der Start sollte um 10 Uhr sein. (Warum starten die in Finnland so früh, wo es doch jetzt schon fast 24 Stunden taghell ist????????????)

Bis zum Puijo kannte ich mich noch aus, dann verfuhr ich mich das erste Mal. Schließlich fand ich aber meinen Weg und es ging auch tatsächlich wunderbar bergab. Nachdem ich den Puijo in östlicher Richtung auf der Straße Kallantie umfahren hatte, wurde ich auf der Straße nach Sorsasalo mit einem landschaftlichen Zuckerl belohnt. Die Straße führte nun mitten durch den Kallavesi-See, über Brücken und Inseln. Dazu blauer Himmel und Sonnenschein, ein Hauch von Sommer in Nord-Savo. Ich fuhr und fuhr, kam schließlich nach Sorsasalo, aber keine Spur von Radrennen. Auch die Straße wo der Start sein sollte, fand sich nicht. Ebenso wenig ein Einheimischer, den ich nach dem Rennen hätte fragen können. Alles was sich fand, war eine Pferderennbahn...

Nachdem ich noch ein wenig herumgesucht hatte, beschloss ich den geordneten Rückzug nach KPO anzutreten. Total verirren wollte ich mich dann ja auch nicht und mein Stadtplan reichte nur bis Sorsasalo. Wenn ich auch das Rennen nicht gefunden hatte, so hatte ich doch mein persönliche Radtour hinter mir. Ich genoss noch mal die sagenhafte Aussicht über den See und den Puijo. Nun war es aber vorbei mit den angenehmen und gemütlichen Radlerei. Richtung Norden führt die Kallantie nämlich dauernd bergauf... (Wie ich einige Zeit später herausfand, ist die Straße auf der westlichen Seite (Puijonsarventie) wesentlich flacher...)

Ich fuhr zurück in die Stadt und besorgte mir etwas zu essen im Supermarkt. Nach dem Essen fand ich im Telefonbuch Ortspläne der umliegenden Gemeinden. Dabei stellte sich heraus, dass die Straße namens Uuhimäenlenkki (Ring von Uuhimäki) auf welcher das Rennen stattfand, sich nicht etwa in Sorsasalo sondern im 30 km entfernten Siilinjärvi befindet. Ein wenig enttäuscht, das Rennen nicht gefunden zu haben, ging ich den restlichen Tag an.

Ergebnis 3. Etappe, Sonntag, 29.05.2005 Straßenrennen, 152 km:

1. Marko Leppämäki 4.03, 05 h
2. Marko Göös 4.03, 19 h
3. Jukka-Pekka Santala 4.03, 44 h
4. Jarmo Rissanen 4.03, 53 h


Endstand nach 3 Etappen:

1. Marko Leppämäki 5.24.21,8 h
2. Jarmo Rissanen 5.25.24,6 h
3. Marko Göös 5.25.26,6 h

Mittwoch, 9. März 2005

Yeti und der Weltcup - ein jahrelanger Wunsch

1. Yeti und der Weltcup - ein jahrelanger Wunsch

Schon seit Jahren wollte ich einmal zum Weltcup. Die VST liegt ja nun sehr nahe zu meinem Wohnort. aber seit RTL den Skisprungsport aus meiner Sicht verdorben hat und kreischende Horden junger, zumeist weiblicher Fans in den Farben einer namhaften deutschen Schokoladenfirma bzw. dem Wei�blau der Finnen regelm��ig in die Veranstaltungsorte einfallen wie die Heuschrecken in einer der biblischen Plagen, nahm ich von einem besuch abstand. Skispringen gibt es ja nun nicht nur als Weltcup. ich besuchte im Januar bzw. Juli 04 die COC�s in Brotterode und Oberstdorf. ersterer war sehr angenehm, mangels der Erreichbarkehit Brotterodes mit der Deutschen Bahn Ag war dort kein einziges Kreischie anzutreffen. in Oberstdorf war es nicht g�nzlich Kreischiefrei aber doch recht nett! Aber nun war ich auf den Geschmack gekommen und wollte zum Weltcup. dass dies schon im M�rz 2005 und dann auch gleich zweimal ahnte ich noch nicht.

2. einige Monate sp�ter - und ca. 2000 km n�rdlicher (Einleitung)

wenn man Skisprungfan ist, so bietet eine au-pair-stelle im ostfinnischen kuopio geradezu hervorragende aussichten, um ein weltcupspringen live zu erleben. und lahti ist ja auch nur 3,5 zugstunden entfernt. soweit, so gut, am 6.3 werde ich mein erstes weltcupspringen zu fusse der beeindruckenden salpausselk�-schanzen zu lahti meinen ersten weltcup live vor ort erleben. lahti ist ja die heimatstadt des dominators der heurigen saison und janne ahonen wird sicherlich darauf brennen vor heimischer kulisse den anderen davonzufliegen.

3. Was lange w�hrt wird endlich gut - Teil 1 in Lahti

bereits tage vor dem grossereignis bin ich ziemlich aufgeregt und voller vorfreude. im internet suche ich mir die zugverbindung heraus, kaufe die fahrkarte und schlucke den preis von fast 80 �. da ich nun bereits auf eine mehrj�hrige, erfolgreiche karriere als profifan zurueckblicken kann, bereitet mir das zusammenstellen der ben�tigten siebensachen keinerlei probleme. eher schon die begrenzte kapazit�t meines rucksackes! doch auch dieses problem l�se ich wieder wahrhaft meisterlich. am fruehen sonntagmorgen zog ich meine skihose einfach gleich an, zus�tzlich zu strumpfhose, wollsocken, jeans, t-shirt, dickem pulli, winterjacke.. als ich dann um 6:45 das haus verlasse, ist es zwar bereits hell, aber mit -20 C lausig kalt. bis zur bushaltestelle sind es 15 minuten und mein atem gefriert an der jacke.

angeblich soll der bus zum bahnhof (rautatieasema) um 7:13 kommen. an der haltestelle entnehme ich dem dort aush�ngenden fahrplan dass der bus doch erst um 7:25 f�hrt. ich warte und langsam wird es kalt. um 7:25 weit und breit kein bus, erst um 7:40 kommt er. kurz vor acht bin ich am bahnhof, um 8:13 kommt der zug. es ist ein moderner ic, der von iisalmi bis nach helsinki f�hrt. ich werde um 12:02 in lahti sein. ueber suonenjoki, pieks�m�ki, haukavuori, mikkeli, m�ntyharju und kouvula geht es in richtung der suedfinnischen industriestadt. draussen scheint die sonne und alles ist tiefwinterlich, die b�ume sind weiss und auf den strassen glitzert das eis. der zug wirbelt durch sein tempo den schnee auf. drinnen gibt es aus dem lautsprecher melancholische finnnische tangomusik zu h�ren...irgendwie genau das richtige w�hrend der zug durch das stille, eiskalte land rauscht...

als ich fast vier stunden sp�ter endlich vor ort bin mache ich mich gleich auf den weg in richtung skistadion, das ich 30 minuten sp�ter erreiche. der eintritt kostet nur 10 euronen, die kleine finnische fahre ist mit 6 � schon deutlich teurer (halbsabschneider). ich hoffe inst�ndigst, das es diesmal in lahti windstill bleibt und es keine verz�gerung gibt weil mein zug schon um 17:57 zurueck nach kpo f�hrt. leppako und ich finden uns recht schnell und zusammen suchen wir uns einen guten platz. wir finden diesen schliesslich genau gegenueber dem springerausgang und haben auch eine hervorragenden blick auf die schanzen. die drei grossen bakken am salpausselk� sind wirklich sehr beeidruckend, die gr��ten die ich jemals gesehen habe. in diesem jahr werden die lahti ski games 80 jahre alt und so sind jede menge fans vor ort. um uns herum sind deutsche, polen, franzosen, slowenen, �sterreicher und auch jede menge finnen. alles ist voller vorfreude auf den wettkampf. es ist erst halb eins und der probedurchgang (koekierros) beginnt erst um 14 uhr. man vertreibt sich die zeit mit quatschen und dem gegenseitigen bestaunen der bereits auf diversen springen ergatterten fotos und autogramme. vor uns frieren die leute der ard und wir fragen sie ganz scheinheilig auf englisch ob ihnen den wohl kalt sei? *gggg* endlich beginnt die probe und so richtig laut wird es, als kalle keituri vom heimischen lhs ein super satz gelingt. er geh�rt eigentlich zum b-kader und hat sich mit guten leistungen im coc ins weltcupteam der finnen gesprungen. akseli kokkonen und tami kiuru, ebenfalls vom lhs, k�nnen leider nicht ueberzeugen, auch wenn die fans recht bruellen.
endlich beginnt der wettkampf und damit das nordic tournament. bei den finnen wird es immer besonders laut, doch jussi hautam�ki, einer der drei suomis aus kpo, schafft nur knapp 90 m...totenstille, die fahnen werden eingezogen. juska schaut bitterb�se und tief entt�uscht als er aus dem exit-gate kommt. die jury schaut sich die bescheidenen weiten 20 springer lang an, dann wird der auslauf verl�ngert. als matti hautam�ki und zum schluss janne ahonen an der reihe sind, wird es laut, sehr laut und der zuschauerbereich ist ein weissblaues fahnenmeer. das ergebnis der ersten runde ist aus finnischer sicht sehr erfreulich. matti ist vorn, janne zweiter und auch risto, kalle und jussi haben den 2.dg erreicht. nur axu und tami haben es nicht gepackt. jussi durfte nach der verl�ngerung noch mal ran und diesmal ist das glueck auf seiner seite. er springt 111,5 m und kommt mal wieder grad so weiter (mehr glueck als vaterlandsliebe). in der pause versuchen wir uns durch huepfen aufzuw�rmen. die sonne scheint zwar, erreicht aber nur die hochgelegenen sitzpl�tze.es ist lausig kalt, insbesondere meine fuesse bewegen sich immer mehr richtung eisbein.

es geht langsam weiter und das frierende publikum hofft auf einen sieg der finnair-stars. wenn janne heute 60 punkte mehr holt als sein �rgster verfolger h�llwarth dann hat er bereits 5 springen vor saisonende den gesamtweltcup sicher. das muesste ihn befluegeln, gerade auf seiner heimschanze. oder sollte vielleicht matti der sieger sein? zum saisonende ist er bekanntlich immer gut in form. schon in pragelato und oberstdorf zeigte er beeindruckende fluege. das publikum feuert alle an, nur bei den norwegern is es ein wenig ruhiger. da wirkt wohl noch die fragwuerdige benotung des norwegischen punkrichters bei der wm nach. janne kommt und ist 3. nach dem sprung. nach mattis sprung ist es totenstill im stadion und alles blickt gebannt richtung videoleinwand ob seine 124,5 m fuer den sieg reichen. roar jl�kels�y aus norwegen liegt n�mlich grad vorn und einen norwegischen sieg will niemand. nach ein paar augenblicken, die mir wie eine ewigkeit vorkamen, leuchtet neben mattis namen die "1" aus. mattis 2. saisonsieg nach pragelato und gleichzeitig die fuehrung im nordic tournament.
wir schauen uns noch die siegerehrung an, danach kommt ein freudestrahlender trainer tommi nikunen und gibt autogramme. doch wer kriegt mal wieder keins? richtig - ich! auch als ich fotos vom sieger machen will, ist immer irgendwer oder irgendwas im weg *grmpf* naja, ich hoffe auf die zweite chance in kpo.

als die springer weg sind, machen auch wir uns auf den weg. leppako zum auto ihrer gastfamilie, ich mich zum bahnhof. und nachdem ich mich auch nur einmal verlaufe bin ich auch schon 2 minuten vor abfahrt des zuges da! um 21:30 komme ich am bahnhof von kpo an, um 22:15 bin ich endlich wieder zu Hause bei meiner gastfamilie. todmuede bin ich und mir ist heiss, sehr heiss, weil ich den tag ueber zu wenig getrunken habe.

4. nordic tournament teil 2 - weltcup am puijo

nachdem ich mich gerade so von den strapazen eines anstrengenden weltcuptages erholt habe geht es auch schon weiter. die zweite station der "nordischen vierschanzentournee" steht an. auf der grossen schanze am puijo (hs 127), auch "pride of kuopio" genannt, geht es am mittwoch, den 9.3. um weiten und weltcuppunkte. bereits am samstag (5.3) hatte ich meine ganz pers�nlichen weltcuptage mit "ich gehe schanzengucken" eingel�utet und diesmal das glueck gehabt dass endlich einmal training war. auf allen 5 schanzen wurde eifrig geuebt und auf der anzeigetafel stand schon der zeitplan fuer das kommende grossereignis. dienstag, 8.3. 2005 - training und quali in kuopio morgens um 8 uhr strahlender sonnenschein, -5 grad und leichter wind in puijo-city. ein tag wie gemalt versprach das zu werden. um 16 uhr mache ich mich auf ins stadtzentrum. auf dem marktplatz (tori) hatte man eine minischanze aufgebaut und ein paar kinder turnten darauf herum. vor dem rathaus flatterten die fahnen der teilnehmenden l�nder im wind.

nachdem ich noch ein bisserl was zum essen (karelische reispiroggen) und trinken (eistee mit viel zucker zum warmbleiben) besorgt hatte, machte ich mich auf den weg in den norden der stadt, in das mekka des skisprungsports dieser tage, kurz gesagt zum puijo und seiner hs 127-schanze. um 17:30 brannte das flutlich und der berg, der aussichtsturm und die vier grossen schanzen sahen einfach wundersch�n aus. unten glitzerte der schnee und ueber allem der dunkle sternenhimmel - traumhaft... es lief gerade der 2. trainingsdurchgang und die zahlreich anwesenden fans applaudierten allen springern. bei den finnen war es ein wenig lauter, aber beachtet und gewuerdigt wurden alle. um 17:50 wird es mir lausig kalt und ich beschliesse, schnell heimzufahren und meine skihose zu holen. 17:55 sollte ein bus fahren, um 18:00 war er da. um 18:25 war ich zu Hause, um 18:31 wuerde der bus zureckfahren. damit wuerde ich zwar nicht mehr alles von der quali sehen k�nnen, aber wenigstens nicht mehr frieren. doch manchmal hat der mensch eben glueck und ari f�hrt mich mit dem auto zureuck. als ich wieder am auslauf stehe, ist gerade springer nr. 15 an der reihe. jetzt sind noch mehr fans da und die stimmung ist so gut wie zuvor. auch die norges bekommen ihren beifall, das war in lahti noch ganz anders gewesen. dafuer sind ihre namen an der anzeigetafel falsch geschrieben. forfang heisst jetzt fortfang und rom�ren rum�ren. durchs stadion fegt ein eiskalter wind und obwohl es nur minus 7 grad fuehle ich mich wie am nordpol. am ende gewinnt matti hautam�ki, der lokalmatador, mit 132,5 m die quali, was zu grosser freude im frierenden publikum fuehrt.
insgesamt werden am morgigen wettbewerb 12 finnen teilnehmen. mit einem letzten blick auf den hellerleuchteten puijo mache ich mich auf den weg zur bushaltestelle. kurz nach 20 uhr bin ich wieder zu hause und nach einer heissen dusche und einem warmen essen fuehle ich mich wieder wie ein mensch und nicht mehr wie ein schneemann und freue mich auf den wettkampf am n�chsten tag!

mittwoch, 9.3. 2005 - 2. station des nordic tournaments am puijo


morgens - mal wieder - sonne und blauer himmel - dazu minus 11 grad. fuer abends sind allerdings -16 grad vorausgesagt. wenn dann noch windig wird - Prost Mahlzeit! um 16 uhr ist einlass, 17:20 Probe, 18:20 Wettkampf, danach siegerehrung und feuerwerk. das verspricht gut zu werden. ich plane, gegen 17 uhr vor ort zu sein um einen guten platz zu bekommen.

ich war gegen 17 uhr vor ort - mit dem guten platz war es da allerdings bereits essig.man merkt die erfolge der heimischen springer an den zuschauerzahlen. vor und neben mir stehen fans aus pol und cz. sie bek�mpfen die k�lte mit wodka und slivovitz. meiner meinung nach allerdings mit zuviel davon denn ihr verhalten wird nun ungemuetlich. sie machen sich ueber die namen der heimischen springer lustig, aus olli pekkala wird perkele. als die probe l�uft wiederholen sie alles, was der sprecher sagt mindestens 5 mal. und weil das alles offenbar noch nicht reicht, versperren mir ihre riesigen fahnen auch noch total die sicht
lange und so sehr hatte ich mich auf jenen 9.3 gefreut und nun diese ernuechterung. als die probe rum ist, suche ich mir einen besseren platz und nun sehe ich ein wenig besser. nach der ersten runde liegt - zur grossen freude des frierenden publikums - matti hautam�ki vorn. alles hofft auf einen sieg des stars vom phs (puijon hiihtoseura => skiclub vom puijo). 12 finnen sind gestartet, 6 erreichen den 2.dg. der �ltere der beiden hautam�kis hat zur zeit offenbar einen pers�nlichen pakt mit dem skisprunggott geschlossen und kommt als 30. mal wieder grad so weiter (mehr glueck als vaterlandsliebe der bursche)... janne ahonen, der den puijo nun nicht direkt zu seinen lieblingsschanzen z�hlt, liegt zur halbzeit einige pl�tze hinter seinem �rgsten konkurrenten roar lj�kels�y aus norwegen. es sieht nicht nach einem vorzeitigen sieg im gesamtweltcup aus...
die 2. runde l�uft und mir ist tierisch kalt. eins meiner hotpacks, vorne in die skihose geschoben, taut mich langsam wieder auf! leider habe ich immer noch keine so gute sicht, da diesmal sehr viele zuschauer anwesend sind (14.000 wie sich am n�chsten tag herausstellt, normal sind fuer kpo 5.000 - 10.000). und so ganz allein ist es nicht so toll, ich wuensche mir jemanden mit dem ich quatschen kann! die polen machen immer noch einen riesenradau und rufen pausenlos "adam adam adam". bei den finnen wird es immer noch ein bisserl lauter und auch ich schwenke mein kleines weissblaues f�hnchen. die deutsche fahne ist mangels stab im rucksack verstaut. zu guter letzt sitzt nur noch matti hautam�ki oben auf dem startbalken. nach seiner landung blicken 14.000 fans gebannt zur anzeigetafel. endlich leuchtet neben seinem namen die eins auf. ein aufschrei der freude t�nt durch die kalte klare nacht.
ich will mir nun noch die siegerehrung anschauen doch leider sind mal wieder viel zu viele menschen um mich herum. ich sehe noch wie matti l�chelnd!!!!! durchs exit-gate kommt und triumphierend seine skier in die h�he reckt. damit hat er seine fuehrung im nordic tournament ausgebaut und darf das wundersch�ne dunkelblaue leiberl mit dem logo, welches einst janne ahonen zeichnete, behalten. und nicht zuletzt ist das sein dritter sieg in folge!!!! nun gibt es noch ein feuerwerk zum abschluss und ich mache mich auf den weg zum marktplatz (ca. 30 minuten zu fuss) um mit dem bus heimzufahren. der weltcup war sch�n, ich h�tte nur eher da sein muessen, um einen besseren platz zu haben.

so das ist meine sicht der dinge von 2 weltcups hier im nordosten europas, von fuenf tollen tagen in finnland, von zwei finnischen siegen, von k�lte und schnee...

Montag, 7. Juni 2004

Wiesbauertour 2004 – Salzburg im Sonnenschein

Starmania und ein Autogramm auf der Bierdose (Autorin: Yeti)

Nach der Bekanntgabe der „Rennstrecken“ für die Saison 2004 stand eines fest:
Für im südlichen Bayern beheimatete Fans der rasierten Waden sollte es ein gutes Jahr werden. Die Bayernrundfahrt und die Deutschlandtour machten im Freistaat Station.
Nachdem ich beide Rennen besucht hatte, war ich nicht nur total durchnässt, sondern hatte auch für eine Weile erst mal die Schnauze voll von Radrennen. Zuviel Wasser von oben, zu viele Ratschen um mich rum, kurz gesagt, mir reichte es.

Doch es gibt ja nicht nur in Deutschland Rennen, sondern auch im benachbarten Ausland. Das von mir aus am schnellsten zu erreichende Ausland nennt sich Österreich. Und dieses schöne Land verfügt auch noch über ein schönes Rennen mit dem klangvollen Namen Wiesbauertour. Schon letztes Jahr war ich bei der Auftaktetappe „Rund um Salzburg“ gewesen und es hatte mir sehr gut gefallen. Alles etwas kleiner, familiärer und überschaubarer als in Deutschland. Und es hatte auch ein schönes kleines internationales Usertreffen gegeben, mit Kuchenessen im Park von Schloss Mirabell. Die Aussicht auf dieses Rennen ließ meine Laune wieder steigen und ich fuhr am Morgen des 07.06.2004 von München-Ost Richtung Südosten. Und oh Wunder, der Himmel über unserm Freistaat war blau, die Sonne lachte vom Himmel und es war heiß. Schon die Fahrt war wunderschön, als ich die Chiemgauer Berge vor mir sah, konnte es mir nicht besser gehen. Kann es eine schönere Landschaft geben???
Ein bedeutender Sohn einer südwestfinnischen Stadt

In Salzburg angekommen machte ich mich gleich auf den Weg zum Schloss, wo die Einschreibung bereits in vollem Gange war. Diesmal war weniger los als noch im Vorjahr und ich bekam einen schönen Platz ganz vorn. Die Fahrer vom Team Relax-Bodysol waren als nächstes dran und vertreiben sich die Wartezeit mit rumalbern. Niels Scheuneman und Nico Mattan taten so, als würden sie sich anspucken und schubsen (kopfschüttel...) ich meine, okay, Niels ist erst 20 aber Nico....der wird doch keinen schlechten Einfluss auf seinen jungen, hoffnungsvollen Teamkollegen haben? Hätte Nielsje doch lieber noch ein Jahr länger in der Obhut der kleinen Rabos bleiben sollen? Fragen über Fragen morgens in der brennenden Sonne der Salzachstadt....

Nico Mattan wird auf der Bühne kurz interviewt, der Sprecher kann offenbar sämtliche Sprachen Europas....

Als nächstes sind dann die kleinen Rabos dran und ich zücke meinen Fotoapparat um einen der bedeutendsten Söhne der südwestfinnischen Stadt Tampere im Bilde festzuhalten. Nun braucht es auf der Bühne keine Fremdsprachen, Bernhard Kohl hat hier ein Heimspiel. Er wird gefragt, welche Taktik das Team verfolgt und „Bartje“ meint, man wolle im Sprint etwas für einen Fahrer versuchen, der nicht unbedingt aus einen Radsportland kommt. Es sei Jukka Vastaranta, sein Mannschaftskamerad aus Finnland. Jukka hebt die Arme und lacht in die Menge...solch einen Gefühlsausbruch hatte ich lange nicht bei einem Sportler aus dem Land der 187.888 Seen erlebt...


Einzug der Teams
Ein Team nach dem anderen kommt, Lamonta, T-Mobile, die Magentaradler wirken auf der Bühne sehr reserviert! Hier wird Cadel Evans kurz befragt, bei Lotto-Domo darf Leon Van Bon ein paar Sätze loswerden. Beim Team Landbouwkrediet meint der Sprecher, Österreich sei offenbar ein gutes Pflaster für Tom Steels, er habe ja schließlich die letztes Etappe der Rundfahrt 03 gewonnen. Er (der Sprecher) tippe auf einen Steels-Sieg am heutigen Tage.

Schließlich waren fast alle Teams da, Domina Vacanze fehlt noch, ebenso wie Saeco. Die Fahrer im Zebra-Dress verteilen sich erst mal auf die Stühle, die vor der Bühne stehen und quatschen drauflos. Der Sprecher wünscht ihnen zum Abschied „Buon viaggio“, was bei den Radlern zu Heiterkeit und verstärkten Diskussionen führt. Worüber kann ich mangels Sprachkenntnissen leider nicht sagen.
Schließlich kommt Saeco mit dem zweifachen Rundfahrtsieger und Titelverteidiger Gerrit Glomser. Nun kommt richtig Stimmung auf, Gerrit hat in seiner Heimatstadt ein Heimspiel! Als letzter Fahrer des „Espresso Rosso“ hetzt Andrea Tonti hinzu, lehnt sein Rad an die Absperrung und wetzt auf die Bühne. Obwohl ich nicht wirklich Ahnung von Technik habe, betrachte ich mir die Räder einmal genauer, so was ist ja doch immer interessant.

Nachdem auch Gerrit Glomser und Andreas Matzbacher interviewt sind, ist die Einschreibung beendet und ich will mir gerade ein schönes Plätzchen an der Strecke suchen als erneut die Stimme von der Bühne ertönt. Die Siegerin der österreichischen Variante „Deutschland sucht die größte Nervensäge äähh den Superstar“ wird angekündigt. Verena so wurde uns gesagt, würde gleich auftreten. Ich suche nach der schnellsten Fluchtmöglichkeit.
Während ich noch am Grübeln bin wie ich dem entkommen könnte, löst sich das Problem von selbst – genauer gesagt ein Verkehrsstau in dem die große Künstlerin steckt (zumindest bis auf weiteres).

Kaffee hätte man gratis bekommen können
Ich bin danach um ein Wiesbauerkapperl, eine Wiesbauer-Dauerwurst, zwei Zeitungen, drei aufblasbaren Schläuchen der Kronenzeitung zum Anfeuern und an die Bande-Hauen sowie eine Wiesbauerfahne reicher. Nur ein Saecokapperl, das bekomme ich leider nicht!
Einige Meter vor dem Startbogen ist noch was frei und ich mache mich breit. Viele Fahrer aus Belgien sind diesmal dabei und die quatschen drauflos, was das Zeug hält. Tom Vannoppen greift sich eine seiner Flaschen und trinkt noch was vor dem Start. Natürlich kann er auch während er dieselbe zurückstecken will, seinen Schnabel nicht halten, geschweige denn hinsehen, was er gerade tut und so braucht er ewig, bis er die Flasche wieder im Halter verstaut hat! Natürlich wird auch dies wieder lautstark kommentiert von seinen Kollegen aus den BeNeLux-Ländern.

Währenddessen wird alle paar Minuten in mehreren Sprachen verkündet, wie lange es noch zum Start sei. Dann werden die Ehrengäste begrüßt, auch die Gendarmerie und die Polizei fehlen diesmal nicht, ebenso nicht der Hubschrauber des Innenministeriums, der über unseren Köpfen kreist.

Wie immer bei einem Radrennen ziert das weiß-blaue Nürnberger-Käppi meinen Kopf. Plötzlich zupft mich wer am Rucksack, es ist Novalis, der noch von einem Studienkollegen namens Jürgen begleitet wird. Jetzt sind wir zu dritt und so macht es gleich mehr Spaß. Damit es einem bis zum Start nicht langweilig wird, geht es nun ans Souvenir verteilen. Ich bin danach um ein Wiesbauerkapperl, eine Wiesbauer-Dauerwurst, zwei Zeitungen, drei aufblasbaren Schläuchen der Kronenzeitung zum Anfeuern und an die Bande-Hauen sowie eine Wiesbauerfahne reicher. Nur ein Saecokapperl, das bekomme ich leider nicht!

Kaffee hätte man ebenfalls gratis bekommen können, aber bei der Hitze steht uns der Sinn nicht danach.

Schließlich erfolgt der Start und der große bunte Tross der Fahrer, Begleitfahrzeuge, Polizei, Gendarmerie, Krankenwagen und nicht zu vergessen der Hubschrauber des Innenministeriums setzt sich in Bewegung. Wir uns auch, und zwar in den Schatten. Zuerst ein paar Meter die Rennstrecke entlang, dann in den Schlosspark. Dort gibt es einen Brunnen mit einer Figur drin und unter der Figur schwimmt im Schatten eine Ente. Kluges Tier.

Warum Ex-Profis lieber nicht singen sollten
Wer wissen will, was wir in diesem Moment dachten, der lese bitte in einem Asterix-Band nach, wie dort stets mit dem Dorfbarden Troubadix verfahren wird.
Wir haben eine gute Stunde Zeit, bis die Fahrer zur ersten Zieldurchfahrt wieder vorbeikommen würden und die wurde mit Ratschen verbracht. Zur ersten Zieldurchfahrt gibt es dann eine vierköpfige Ausreißergruppe, darin vertreten u.a. Hummi! Für uns war klar, wen wir ab nun anfeuerten! Go Hummi go!!!!!!!

Der Kommentar des Streckensprechers über das Hauptfeld war etwas irreführend. Er meinte, dies würde sehr schnell fahren und sich über die gesamte Fahrbahnbreite verteilen. Ja was denn nun????????

Einige Minuten später kamen sie an uns vorbei, tatsächlich über die ganze Straßenbreite verteilt und fröhlich quatschend. In der letzten Reihe fuhr HPO, welcher sich in einer angeregten Unterhaltung mit einem Volksbänker befand.
Wir überlegten, wie die Stunde bis zur zweiten Zieldurchfahrt rumzukriegen wäre. Schließlich fiel die Entscheidung zugunsten des Stieglgastgartens, der uns schon letztes Jahr Schatten und Erfrischung gespendet hatte. Während wir dort saßen, verging die Zeit mit ratschen wie im Fluge. Schon hörten wir wieder die Sirenen der Gendarmerie, der Polizei und nicht zu vergessen – den Hubschrauber des Innenministeriums! Die Vier sind immer noch vorn und der Vorsprung wird größer und größer. Über acht Minuten sind es schließlich und noch 74 km zu fahren. Wir fangen an zu spekulieren, ob die alte Faustregel „1 km pro 10 Minuten“ diesmal auch greift und drücken Hummi weiterhin fest die Daumen. Alle Gäste der Wirtschaft haben ihre Plätze verlassen und stehen an der Straße um die Radler anzufeuern. Sogar einer der Ober schaut zu.

Als das Feld vorbei ist, zahlen wir und machen uns auf dem Weg zurück zum Ziel. Es ist brütend heiß, in der Sonne hält man es keine 10 Minuten aus...und nicht nur die Sonne quält uns, nein, auch Verenas Stimme dringt nun an unsere Ohren. Wir sind uns nicht mehr sicher, was schlimmer ist. Und als ob das nicht genug wäre, greift nun auch noch der Ex-Profi Harald Blüml zum Mikro und gibt die „Hymne“ der Wiesbauertour zum Besten.
Wer wissen will, was wir in diesem Moment dachten, der lese bitte in einem Asterix-Band nach, wie dort stets mit dem Dorfbarden Troubadix verfahren wird. Leider fanden wir kein Seil, Bäume hätte es im Park vom Schloss genug gegeben....

Massensprint
Wir holen uns nun auch ein wenig Verpflegung und suchen uns dann ein Plätzchen an der Strecke für die dritte Zieldurchfahrt. Immer noch sind die vier vorne und wir hoffen weiter auf einen Hummi-Volksbank-Triumph in der Mozartstadt, doch das Feld macht nun Tempo. Nichts ist’s mehr mit ratschen, diesmal braust eine langgezogene bunte Reihe in schneller Fahrt an uns vorbei.
Immer näher rückte die letzte und entscheidende Zieldurchfahrt. Wir standen einige Meter von der Strecke entfernt und waren damit beschäftigt, die Dehydrierung in Grenzen zu halten. Aus den Lautsprechern tönte es, noch ca. 20 km zu fahren. Daraufhin suchten wir uns wieder in Plätzchen an der Strecke und warteten auf die Fahrer. Schließlich hieß es, die Spitzenreiter seien eingeholt worden, 3000 m vor dem Ziel. Schade, wir hätten Hummi den Sieg gegönnt!
Es sah also alles nach einem Massensprint aus. Würde Tom Steels die Prognose des Sprechers wahr machen und tatsächlich gewinnen? Leider war unser Platz nicht gerade der beste und so sahen wir nicht so ganz deutlich wer gewonnen hatte, vermuteten aber Steels. Dies stellte sich dann auch als richtig heraus.
Auf zur andren Straßenseite und zur Siegerehrung. Tom Steels hatte gewonnen, vor Gorik Gardeyn und Michel Van Haecke. Das Bergtrikot ging an Stefan Rucker, das rote Sprinttrikot an Pascal Hungerbühler. Das weiße Punktetrikot bekam Tom Steels, ebenso wie das gelbe des Gesamtführenden. Das schöne blaue Trikot für den besten einheimischen Fahrer ging an Gerrit Glomser. Die Siegerehrung zögerte sich aber sehr lang hinaus, da Gorik Gardeyn nicht erschien. Schließlich wurde die Zeremonie ohne ihn durchgezogen.

Radler vs Bier - Eine Sichtweise
„Ach der Klane mit dem depperten Gsicht!“
Als auch das vorbei war, lichteten sich die Reihen der Fans und wir wollten noch ein paar Autogramme haben. Dabei kam es zu einer peinlichen Situation: Ich zeigte Novalis und Jürgen meine Autogramme vom Skispringen. Bei einem meinte Novalis: „Ach der Klane mit dem depperten Gsicht!“ In dem Moment ging Stefan Rucker an uns vorbei und drehte sich auch noch um..............wir sind dann nicht mehr zu ihm hin........
Schließlich sichteten wir Werner „Ribi“ Riebenbauer, der auch sofort bereitwillig unterschrieb. Danach war außer uns fast keiner mehr da. Nun ja, Gerrit Glomser war noch da. Aber außer uns wollte niemand was von ihm. Da er sich gerade mit einer Bekannten unterhielt standen wir daneben, wollten ja nicht stören. Einige Minuten später kam ein Mann mit zwei Bierdosen an und wollte den Radler zum trinken überreden. Gerrit lehnte ab, gab dem Mann aber ein Autogramm auf die Bierdose!!! Uns anschließend auch noch, ins Autogrammbuch, nicht auf eine Getränkedose.

Danach saß er mit einigen Bekannten zusammen vor der Siegerehrungsbühne, völlig unbehelligt.
Wir machten uns auf den Weg in die Stadt, vorbei an den Trucks und Autos der Teams, dem Wohnwagen für die Dopingkontrolle. Die Rabos hatten ein richtig großes Zelt dabei, auch ein Wohnwagen fehlte nicht (kann es bei einem Team aus NL eigentlich anders sein???????)
So ging ein langer, ganz toller Tag bei einem Radrennen langsam zu Ende....
Um viertel nach sechs ging mein Zug zurück nach München, um acht war ich in München-Ost, um halb neun daheim.

Wiesbauertour – ich werde auf jeden Fall nächstes Jahr wiederkommen!!!!!!!!!!

Freitag, 21. Mai 2004

Rennen im Regen - Radsport in Südbayern 2004

Rennen im Regen – Radsport-Topereignisse in Südbayern 2004
von Yeti


Nachdem es letztes Jahr noch so ausgesehen hatte, als würde es im Jahre 04 gar keine Rennen in der näheren Umgebung meiner Heimat geben, so wurde ich Ende der Saison eines besseren belehrt. Die Bayernrundfahrt machte doch tatsächlich im 25. Jahr ihres Bestehens zum ersten Mal in München Station und auch die Deutschlandtour wagte sich ins südbayerische Radsportniemandsland...

Ich freute mich ein halbes Jahr wie ein Schneekönig auf den 21.05, auf die dritte Etappe der Bayernrundfahrt, hier, in meinem München...ich nervte meine Umgebung wochenlang damit, erzählte es jedem, ob er es hören wollte oder nicht...ich druckte mir Startlisten, Marschtabelle, Höhenprofile aus, malte die Strecke auf eine Landkarte, kurzum, ich tat alles, was ein großer Fan so tut. Ich war bestens gerüstet für den großen Tag!

Am Abend packte ich den Rucksack für einen langen Tag beim Rennen. Nach der Einschreibung und dem Start in München wollte ich nach Bad Aibling fahren zum Ziel...wie gesagt, ich wollte es. Morgens in München war es kalt, es regnete und stürmte. Aber ich gab die Hoffnung auf einen schönen Radsporttag nicht auf, letztes Jahr hatte ich schließlich bei allen Rennen, die ich besuchte, schönes Wetter.

Also machte ich mich morgens mit der U-Bahn auf zur Theresienwiese. Ich war mal wieder sehr früh dran, außer mir vielleicht noch 10,15 Fans anwesend. Während der Einschreibung bekamen wir dann fast nur Reden von Politikern und Sponsoren vorgesetzt, was mich schon ziemlich nervte...es begann auch wieder leicht zu tröpfeln...bange Blicke zum grauen Himmel meinerseits..
Es wurde zwar langsam recht voll an der Strecke aber auch der Regen wurde immer mehr.

Als der Startschuss ertönte, schüttete es...

Ich hatte keinen Bock, klatschnass zu werden und fuhr ernüchtert nach Hause statt nach Aibling. So lange hatte ich mich gefreut und nun war ich so bitterlich enttäuscht von der ganzen Sache...

Um das zu verdauen brauchte ich eine Weile und hatte auch kein Interesse am Radsport mehr für eine gewissen Zeit. Ich wollte keine Leute sehen, die bei gutem Wetter ein Rennen verfolgen konnten. Somit schaute mir auch den Giro nicht an.

Eine neue Chance

Die Zeit verging, es wurde Juni und es stand das nächste Radsportereignis in der Region Südostbayern an...die Deutschlandtour würde sich auf der vierten Etappe die Ehre geben und von Bad Tölz nach Landshut fahren...als ich erstmals davon gehört hatte, war ich noch Feuer und Flamme gewesen, aber mittlerweile wollte keine so rechte Begeisterung bei mir mehr aufkommen...ich wollte nicht schon wieder so enttäuscht werden wie im Mai. Letztes Jahr war das Wetter immer so super gewesen und heuer regnete es nur...

Trotzdem kaufte ich mir ein Ticket für die Fahrt nach Tölz und Landshut. Am Abend in der Wettervorhersage sprach man wieder von Regen für den nächsten Tag; ich packte nicht nur einen Schirm ein, sondern auch meine Regenhose, die ich zum ersten Mal seit dem Segelurlaub in den Niederlanden wieder anfasste. Hoffentlich würde ich sie nicht brauchen...

Am Morgen war es kalt, sehr kalt und ich packte nur eine Flasche Apfelschorle ein, die andere ersetzte ich durch eine Kanne mit heißem, süßem Tee...letztes Jahr hatte ich noch immer überlegt, was ich anziehe, damit ich keinen Sonnenstich bekomme, diesmal dachte ich darüber nach, wie sich Nässe und Kälte am besten umgehen lassen würden...ich zog meine Turnschuhe an...im Nachhinein musste ich feststellen das Gummistiefel das richtige gewesen wären...
And the rain ist falling down on me...
Auf dem Weg zur Bushaltestelle tröpfelte es, am Hauptbahnhof regnete es schon recht heftig und ich musste noch eine ganze Weile auf den Zug der Bayrischen Oberlandbahn nach Tölz warten. Als er endlich kam, stieg ich sofort ein und war froh, der Kälte und Nässe entronnen zu sein...

Eine gute halbe Stunde später, kurz hinter Holzkirchen, schüttete es wie aus Eimern...immer noch im warmen Zug sitzend, zog ich meine Regenhose an.. In Tölz angekommen machte ich mich auf den Weg zur Marktstraße bzw. Isarbrücke. Der Regen wurde immer mehr, ich spannte meinen Schirm auf um den Regen von meinem Rucksack abzuhalten...

Dort angekommen war kaum ein Mensch zu sehen, bei dem Wetter würde man normalerweise auch keinen Hund vor die Tür jagen. Ich fand einen Platz gegenüber der Bühne, wo um 10 Uhr die Einschreibung stattfinden sollte. Es war kurz nach neun, also würde ich noch eine gute Stunde warten müssen. Dachte ich wenigstens...Zur Hälfte unter einem großen Edeka-Schirm stehend, harrte ich der Dinge und redete ein bisschen mit den Leuten neben mir...Inzwischen regnete es nicht mehr – es goss wie aus Kübeln, es war die reinste Sintflut über die wunderschöne Stadt Bad Tölz hereingebrochen...die Kulisse der historischen Marktstraße hätte eine der schönsten der Radsportsaison werden können, aber der Himmel weinte an jenem Tag im Juni, der Radsportgott hatte kein Einsehen mit uns...

Sämtliche Schirme nutzten nichts mehr, meine Schuhe waren total durchnässt, auch meine Hosenbeine und mein Pulli begannen feucht zu werden...meine eiskalten Hände färbten sich rot. Irgendwann spürte ich die Kälte dann nicht mehr...

Die Organisatoren bauten im strömenden Regen die Bühne auf, sie standen im T-Shirt in der Sintflut...alle paar Minuten schoben sie mit einem Besen das Wasser von der Bühne und hoben die Markise darüber an, um die Wassermassen von ihr herunter zu bekommen....es waren jedes Mal wahre Sturzbäche die da herunterkamen.

Als es auf 10 Uhr zuging und keine Fahrer zur Einschreibung kamen, wurden die Zuschauer etwas mürrisch. Einerseits verstand ich die Fahrer ja, sie hatten eine lange Etappe vor sich und wollten nicht schon jetzt nass werden, andererseits warteten wir schon über eine Stunde im Regen und wollten endlich was sehen.

Die Videos an der Leinwand hatten wir dann alle schon ca. 10 Mal gesehen, die Lieder alle mehrmals gehört und es tat sich nichts...wie schön warm und trocken wäre es jetzt daheim, das dachte ich nicht nur einmal...

Es wurde 11 Uhr und endlich kamen die ersten zwei, und zwar Ulle und Steini. Jan sieht sehr gut aus, schlank und fit. Die zwei blieben aber leider bis ca. halb 12 die einzigen.....mir war es so verdammt kalt, besonders in den klatschnassen Schuhen...dann kam die Werbekarawane und verteilte ihre Geschenke. Ich wollte ein Päckchen von dem Milchgetränk haben, erwischte aber keins...meine Laune sank weiter. Auf dem endgültigen Tiefpunkt war sie dann angelangt, als diese grausamen Ratschen verteilt wurden.

Die Fahrer kamen zwar nun alle und die Organisation drängte bei der Einschreibung, da der Start um 11.45 Uhr sein sollte, Karsten Migels stellte die Fahrer vor und machte Interviews, aber leider verstand man rein gar nix wegen dem Lärm dieser Ratschen......aaaaaaahhhhhhh!

Ich werde beim Bayrischen Landtag eine Petition einreichen zur Ächtung dieser Dinger. Da kriegt man ja Ohrenkrebs von! Der Regen hörte nicht auf und vor lauter Schirmen um mich rum sah ich rein gar nix mehr. Es ging auf dreiviertel 12 zu und die Fahrer begaben sich in die Startaufstellung. Einige verharrten noch immer unter Schirmen und Vorbauten um dem Regen zu entkommen. Schließlich ertönte aber der Startschuss und der bunte Tross setzte sich in Bewegung...
Von Bussen und Seppeln
Ich mich auch und zwar zum Bahnhof, um zuerst zurück nach München und dann nach Landshut zu fahren. Am Bahnhof angekommen legte ich erst mal meine persönliche Verpflegungskontrolle ein und aß einige Süßigkeiten um wieder etwas Wärme in mich zu bekommen. Der warme, süße Tee mit dem herrlichen Vanillegeschmack wirkte hierfür auch wahre Wunder!

Um halb eins schließlich saß ich wieder warm und zumindest ein bisschen trockener im modernen Integraldieselzug nach München, um halb zwei war ich zurück am Münchner Hauptbahnhof. In 20 Minuten würde es weitergehen nach Landshut – dachte ich wenigstens. Der Zug stand zwar schon auf Gleis 21 und einen schönen Platz im Warmen fand ich auch, aber abgefahren ist das Ding erst mit 20 Minuten Verspätung...meine Laune sank wieder.

Um 13:47 Uhr sollte es in München weitergehen, halb drei wäre ich damit in der Hauptstadt Niederbayerns. Um 14 Uhr setzte sich der Regionalexpress dann doch noch in Bewegung.

Kurz vor drei stand ich am Bahnhofsvorplatz – und oh Wunder – es regnete fast nicht mehr!!!!!!

Dort befand sich auch gleich der Busbahnhof und anlässlich der Deutschlandtour fuhren alle städtischen Busse heute kostenlos! Eine sehr schöne Sache, die meine Laune wieder ein bisschen besserte. Nach zweimaligem Nachfragen wusste ich dann auch, welcher der Busse zum Ziel auf der Grieserwiese fahren würde. Im Bus selbst wurde mir dann noch der Weg erklärt und so fand ich auch problemlos hin. Von der Haltestelle aus waren es nur ein paar Meter eine Straße hinunter und ich stand inmitten des Ziels.

Zuerst schaute ich kurz zur Videowand der ARD um mir einen Überblick übers Renngeschehen zu verschaffen. Was ich da sah, freute mich sehr. Eine Ausreißergruppe vorn, mit „meinem Sonneberger“ Seppel Lang und zwei Rabos. Sehr schön. Schließlich wurde mir aber das Gesabbel zu viel und ich drehte eine Runde durch den Jahrmarkt, anders lässt sich das Treiben nicht beschrieben. Als ich dann genügend Pommesbuden, Bierstände, Trikotverkäufer und Rennräder gesehen hatte, suchte ich mir einen Platz an der Strecke. Leider fand ich nur noch einen ca. 300 m hinter dem Ziel...und kaum zu glauben, es tröpfelte nur noch ganz leicht!

LinaM informierte mich per SMS wie das Rennen stand und als die „Caravane publicitaire“ in LA durchfuhr bekam ich sogar eins dieser Milchgetränke zu fassen! Zum Leidwesen meiner Ohren wurden auch wieder diese Ratschen verteilt. (.......) <= zensiert!
Wo ist denn "der Jan" ?
Inzwischen war die Ausreißergruppe eingeholt und ich hoffe bei dem Massensprint, den es nun wohl geben würde auf die hellblauen Schlümpfe bzw. Danilo Hondo.
Neben mir eine Frau in Timo Beil-Trikot und durchsichtiger rosa Regenjacke fragte alles und jeden, ob man heute schon „den Jan“ gesehen habe...wohlgemerkt, vor dem Eintreffen des Feldes...ich sagte zu ihrer Beruhigung das ich ihn am Morgen in Tölz gesehen hatte.

Dann ging alles ganz schnell. Erst kamen die Betreuer vieler Teams und verteilten sich vor unseren Nasen, dann brauste die Polizei durch, der Fernsehhubschrauber kreiste am Himmel.

Kurze Zeit später kamen die Fahrer selber an uns vorbei. Leider gab es hinter dem Ziel keine Lautsprecher mehr, so das ich nicht mitbekam, wer gewonnen hatte. Ich habe selten so erschöpfte Fahrer gesehen, die armen Kerle waren total verdreckt, durchnässt und erschöpft. Da auch ich zum Teil noch nicht getrocknet war, fühlte ich so richtig mit den Renners mit...

Einige Zeit später kam ein Crédit Agricole-Fahrer an uns vorbei, ein Betreuer hatte ihn im Arm und die beiden sahen sehr zufrieden aus. Eine SMS später wusste ich dann Lina dann auch, das meine Vermutung richtig war. Sebastien Hinault war der Sieger.

Sehr schön, ich freute mich. Es ist doch immer wieder schön, einen Sieg seines Lieblingsteams live vor Ort zu erleben.

Da ich noch ein bisserl Zeit hatte, bis mein Zug nach München fuhr, drehte ich noch eine Runde im Fahrerlager. Vor dem Timo Beil-Bus eine riesiger Traube von Menschen, bei den andren Teams kein Mensch. Die ZVVZ-Fahrer blieben total unbehelligt, ebenso wollte niemand was von Liberty Seguros. Die liegen jetzt übrigens in meiner persönlichen Rangliste der schönsten Trikots ganz vorn!!!

Um vier Uhr machte ich mich dann auf den Weg zur Bushaltestelle, als mir plötzlich Danilo Hondo entgehen kam, noch im Trikot des besten Sprinters.
Am Bahnhof angekommen, musste ich dann feststellen, das genau zwei Minuten vorher ein Zug nach München weggefahren war.....
Nach Hause und Fazit
Um fünf ging dann einer nach Freising, von dort aus fuhr ich mit der S-Bahn heim.
Daheim angekommen ging ich erst mal daran, meine Kleidung und meinen Rucksack zu trocknen und mich selber wieder aufzuwärmen.
Alles in allem war es ein schöner, wenn auch sehr sehr nasser Tag beim Radrennen.

Was mir überhaupt nicht gefällt, ist allerdings die Tatsache das die D-Tour versucht, die TdF zu kopieren. Was brauchen wir ein „Village du Tour“, warum muss das Bergtrikot so sein wie bei der „Grand Boucle“?
Die TdF ist für mich etwas mythisches, etwas ganz besonderes, das man nicht kopieren kann und sollte. Wenn die Deutschlandtour sich wirklich etablieren will, muss sie eigenständig werden, ein eigenes Profil entwickeln!!!

Samstag, 31. Januar 2004

Continental-Cup in Brotterode/Thüringen 31.01.2004

Yeti und Tarzanine beim Conti-Cup in Brotterode/Thüringen am Samstag, 31.01.2004

Zum Skispringen wollte ich schon lange einmal, sehr lange. Durch das Vorhandensein tausender Kreischies an den Schanzen dieser Republik wagte ich den Schritt an dieselben aber bisher nicht.
Ende Januar hörte ich vom Conti-Cup welcher in einigen Tagen in Brotterode in Thüringen stattfinden sollte. Da passte es mir ganz außerordentlich gut, das wir an diesem Wochenende zwecks Verwandtenbesuchs eh fast in Thüringen waren.
Beim COC, so hatte ich gehört und gelesen sei es nicht so schlimm mit den „XY ich will ein Kind von dir“ schreienden Fans.

Also ran an die Computerkiste, Atlas gewälzt, Thüringenführer dazu, wo ist dieses Brotterode eigentlich genau, noch nie dort gewesen.
Im Finnen-Forum fand sich noch jemand, der dort hin wollte. Nun ging es ans Raussuchen einer passenden Zugverbindung in den kleinen westthüringischen Ort. Leichter gesagt als getan, Brotterode hat keinen Bahnhof. Nach langem Suchen schließlich die Lösung:

Um 5:45 Uhr mit der Südthüringenbahn von Sonneberg über Eisfeld und Grimmenthal nach Zella-Mehlis und von dort aus mit dem Zug weiter nach Schmalkalden. Um 4:45 Uhr bin ich aufgestanden, mein Vater fuhr mich dankenswerterweise mit dem Auto zum einige Kilometer entfernten Bahnhof nach SON. In Zella traf ich mich mit Tarzanine und zusammen gings weiter mit der STB nach Schmalkalden. Dort regnete es

Um halb 10 sollte der Bus nach Brotterode kommen, außer uns nur noch fünf weitere hartgesottene Sprungfans am Bahnhof. Wir warteten und warteten, machten Fotos vom Regen und froren vor uns hin. Schließlich kam aber doch noch ein Bus mit der Aufschrift „Der Brotteröder“. Na also, ging doch. Wir rein, 2 € bezahlt und los gings.

In Brotterode angekommen machten wir uns auf den steilen Weg hinauf zur Inselbergschanze
über dem Ort. Es war wirklich extrem steil und die Straße bedeckt mit widerlichem braunem Schneematsch. Unterwegs kauften wir uns die Eintrittskarten (7 € pro Nase) und bekamen eine Startliste dazu. Erst mal geschaut welche Finnen dabei sind - Jussi Hautamäki, Pekka Salminen, Janne Happonen, Lauri Hakola und Harri Olli. Schön!

Als wir die Schanze bereits vor uns sahen kamen wir am Parkplatz vorbei. Auto h
ält an, Mann steigt aus, gekleidet in eine original schwarzorange DSV-Jacke. Wir schauen uns an, den kennen wir doch. Reinhard Hess? Nein, hat der graue Haare, keine weißen. Keine 10 Meter vor uns bleibt dieser DSVler plötzlich stehen und gibt Autogramme.

Mensch das war er doch! Argh, warum sind wir nicht hin???????

Na ja, weiter gings, hinauf zur Schanze. Wir kamen dann irgendwann doch noch oben an und suchten uns einen sch
önen Platz auf der rechten Seite vom Schanzenauslauf. Erst mal nur geschaut, die Schanze ist beeindruckend, wir waren uns einig, dies nie im Leben selbst zu machen! Es war noch nicht viel los, ein Springer aus Fernost fuhr im Auslauf herum und testete seine Skier.

Die Musik an der Schanze war am Anfang extrem anz
üglich, da standen immerhin kleine Kinder herum. Aus den Lautsprechern krächzte die Stimme des Schanzensprechers, dass die Springer die Musik aussuchen würden. Na ja, unsere Suomis konnten das nicht gewesen sein. Wir meinten, nächstes Jahr müsse Jussi mal eine Scheibe seiner Band mitbringen.

Den Probedurchgang verfolgten wir gespannt und freuten uns über weite Sprünge aller Athleten, bei den Finnen ein bisserl mehr.
Gegen
über von uns standen zwei weitere FinnAir-Fans mit einer selbstgemalten großen finnischen Fahne auf der stand: „Jussi give them hell“.  Wir sahen noch ein paar weitere weiße Fahnen mit dem blauen Kreuz drauf und außerdem den Fanclub von Frank Reichel der ein einen Mordskrach machte.

Als der Probedurchgang vorbei war beschlossen wir auf die andere Seite vom Auslauf zu gehen weil wir die Springer immer nur von hinten sahen nach ihren Spr
üngen. Dort angekommen kaufte ich mir erst mal eine köstliche Thüringer Rostbratwurst (hmmm!).

Anschließend suchten wir uns wieder einen guten Platz für den eigentlichen Wettkampf. Es war aber alles schon voll, aber wir fanden trotzdem noch ein Plätzchen, und zwar was für eins! Direkt hinter dem Ausgang, wo jeder Springer nach seinem Sprung vorbeimusste. Wie geschaffen für Fotos und Autogramme. Ich habe nun welche von Jussi, Peksi, Lauri, Hans Petrat, Yusuke Kaneko, Bine Zupan und Matthias Hafele.

Zuerst kamen aber erst mal ein paar Vorspringer, einer von ihnen feierte am Samstag seinen 19. Geburtstag, wie der Schanzensprecher erz
ählte. Neben uns standen die zwei mit der Jussi-Finnland-Fahne und eine von davon animierte die Umstehenden dem Burschen ein Geburtstagsständchen zu singen.

Beim vielstimmigen „Happy birthday“ wurde der junge Mann ganz verlegen. Zusätzlich hatten die zwei aus Thüringen noch eine Presslufthupe und zwei Ratschen. Sie erzählten uns, dass sie sich genau vor einem Jahr an der Brotteroder Schanze kennen gelernt hatten.
Wir tauschten mit ihnen Mailadressen aus um später mal Fotos zu tauschen.

Es war auch sehr interessant, die ganzen Springer mal aus der N
ähe zu sehen. Weil sie alle so dünn sind, schauen sie noch jünger aus als sie eigentlich sind. Ein ums andere Mal meinten wir, dem kaufen wir nachher eine Bratwurst, der braucht mal wieder was zum Essen!

Die Stimmung der Finnenfans war unterschiedlich. Jussi, Peksi und Lauri sprangen gut im ersten DG und kamen weiter, Havu und Harri leider nicht. Janne Happonen war stinksauer nach seinem Sprung und schoss regelrecht davon.

Jussi dagegen war das reinste Gegenteil, die Liebenswürdigkeit und Freundlichkeit in Person nach seinem guten Sprung. Er schrieb unzählige Autogramme, ließ geduldig Fotos von sich machen und zeigte sein freundlichstes Lächeln, das selbst Nicht-Kreischies ins Schwärmen geraten ließ... Jussi sah derartig liebenswürdig aus, so gar nicht nach Mitglied einer Rockband!

Die Koreaner und Japaner freuten sich sehr, wenn jemand Autogramme von ihnen wollte. Es war einfach klasse. Die Springer waren sehr freundlich und zug
änglich, hier, wo sie nicht wilden Horden junger Kreischies ausgesetzt waren.

Weniger sch
ön war das Verhalten von Christof Duffi Duffner und Andi Swider Widhölzl, die jegliche Bitten ignorierten und einfach durchrauschten. Gerade Duffi in seiner letzten Saison hätte die wirklich freundlichen Bitten erfüllen können.
Zwischen den Durchg
angen gingen wir ein bisserl im Auslauf spazieren( zum Füße wieder auftauen), sahen Springer, Trainer und auch den Eurosport-Kommentator Gerd Siegmund, der sich in seiner Thüringer Heimat das Springen nicht entgehen lassen wollte!

P
ünktlich zum zweiten Durchgang standen wir dann wieder hinterm Ausgang und wendeten die Köpfe abwechselnd nach links und rechts, von der Schanze zum Ausgang und zurück.

Leider fiel Jussi im zweiten DG zur
ück, weit zurück...er war stocksauer und verließ wortlos und fluchtartig den Schanzenauslauf. Man sah ihm deutlich an, dass er im Moment auf mehr als 180 war, schließlich kämpfte er um den Anschluss bzw. den Verbleib im finnischen A-Kader. Doch einige Fans wollten das partout nicht einsehen und rannten dem wütenden 24-jährigen aus Kuopio hinterher. Und das sind dann die, die sich später beschweren, der und der ist ja so ein A..., der hat mir kein Autogramm gegeben!

Peksis 2. Sprung war auch sehr gut und er musste wieder viele Autogramme schreiben, war er aber bereitwillig tat. Eine der beiden mit der Presslufthupe rief Hyvä Peksi, woraufhin er sich umdrehte und lächelte!

Leider verstand man bei dem ganzen Rabatz den Sprecher nicht mehr so wirklich und so bekamen wir nicht alles ganz mit. Egal. Hauptsache es machte Spa
ß und das machte es, jede Menge sogar.

Als das Springen vorbei war, stand ein Deutscher ganz oben, n
ämlich Jörg Ritzerfeld vor dem Swider und Stefan Hocke.

Tarzanine und Yeti beschlossen nun, noch etwas im Springerlager spazieren zu gehen. Vielleicht ergab sich ja noch die Gelegenheit auf Fotos und Autogramme.

Wir standen gerade zwischen den Autos der Ösis und Finnen als die Stimme des Schanzensprechers an unsre kalten Ohren drang. Er rief die Springer zur Siegerehrung und unser Peksi war Vierter geworden. Große Freude!!!

Plötzlich lief keinen halben Meter neben uns Jussi Hautamäki vorbei, nun wieder in Alltagskleidung aber mit einem immer noch finsteren Blick. Hatten wir uns vorher noch Sorgen um seine Versorgungslage gemacht, so beruhigten wir uns nun. Er aß eine Semmel und hatte etwas Limo ähnliches in einem Becher! Er verschwand im Auto und kam mit einem Handy wieder raus. Nach dem Gespräch war er dann wieder ein freundlicherer Jussi.

Übrigens trugen fast alle Finnen diese furchtbaren Blauhaargiraffenmützen, die in echt noch viel scheußlicher sind als im Fernsehen! Auch Jani Klinga sahen wir, der sieht echt nicht übel aus! Die Finnen packten ihr Graffl zusammen, sie hatten zwei Autos, eins mit finnischem Kennzeichen und eins aus Deutschland. Die vier, die nicht zur Siegerehrung durften, fuhren dann selbst mit dem Auto davon, da gab es keinen Trainer oder Betreuer der sie chauffierte. Ich wollte noch ein Foto von Lauri Hakola machen, aber der Bursche drehte sich immer genau dann um!

Erst meinten wir, von der Siegerehrung nichts zu sehen, gingen dann aber trotzdem hin. So wirklich was gesehen haben wir zwar dann nicht aber wir mussten doch f
ür Peks jubeln.

Selbiger stand dann pl
ötzlich neben uns, zusammen mit seinem Skiern und Trainer Jani Klinga. Er hatte auch Alltagskleidung an, einen dicken Anorak und eine dünne Skilatzhose. Er hatte die Träger aber nicht über den Schultern sondern herunterhängend an der Hüfte. Die Hose war wirklich nicht weit geschnitten, aber sie schlotterte dem jungen Mann (22 Jahre) aus Kuopio nur so um die Beine...
Als wir das so sahen kamen wir schon ins Gr
übeln...62 kg bei 180 cm Körpergröße sind echt verdammt wenig...es ist eine extreme Gratwanderung bei diesem Sport...

Bei der Siegehrung jubelten wir dann aber f
ür alle, nicht nur für den Finnen!

Anschlie
ßend gingen wir fix zurück ins Springerlager, wir hofften vielleicht noch ein paar Autogramme zu kriegen. Nun trafen wir auch die zwei mit ihrer Presslufthupe wieder, die sich auch sehr für Peksi freuten. Selbiger stand gerade am Auto und wollte sein Zeug einpacken aber Herr Klinga, der wohl den Schlüssel hatte, hatte sich irgendwo festgequatscht und kam nicht.

Die
Österreicher fuhren davon und winkten uns ganz lieb zum Abschied!

Tarzanine wollte noch ein Foto von Peksi mit Siegerehrungsblumen machen aber genau in dem Moment, als sie abdr
ücken wollte, kam Kai Bracht vorbei und hielt ihr das Victory-Zeichen in die Linse!

Als dann alle Finnen restlos weg waren, konnten wir auch beruhigt heimfahren, die Mission f
ürs Finnenforum sahen wir als erfüllt an.

Beim Verlassen der Schanze fanden wir einen anderen Weg bei dem man von hinten an den Ort des Geschehens kam, direkt ins Springerlager. N
ächstes Jahr gehen wir da wieder lang.

Laut Auskunft des Veranstalters sollte man von der Schanze aus 10 Minuten zum Busbahnhof laufen. Wir waren nach 20 Minuten und drei Nachfragen dann endlich dort. Wieder 2
€ bezahlt und über Trusetal zurück nach Schmalkalden gefahren. Dort hatten wir noch jede Menge Zeit bis unsere Züge zurückfuhren und verbrachten diese in einem Café wo wir natürlich noch ausführlich über den Tag quatschten. Nächstes Jahr ist schon fest eingeplant, so denn die Fis ein Einsehen hat und Brotterode wieder einen Conticup gibt!

Um 17. 15 Uhr gingen wir dann zum Bahnhof, 17.32 fuhr Tarzanines Zug nach Zella, meiner ging um 17:43,
über Wernshausen nach Sonneberg. Um 20 Uhr war ich in SON am Bahnhof.

M
üde, sehr müde, aber restlos glücklich.
Skispringen ist genial aber Skispringen in Brotterode ist einfach nur perfekt.


Samstag, 17. Januar 2004

Biathlon-Weltcup in Ruhpolding 2004

Biathlon-Weltcup in Ruhpolding 2004

Nachdem schon die ganze Zeit mehr oder weniger schlechtes Wetter geherrscht hatte, (am (Donnerstag schneite es ohne Pause) hoffte ich für meine zweite Fahrt nach Ruhpolding endlich auf Besserung. Leider wurde diese nicht erfüllt, morgens acht Uhr in München Schneeregen. Ich packte einen riesengroßen Rucksack, insbesondere die Skihose nahm sehr viel Platz weg. Schon jetzt war mir warm, durch die Strumpfhose, die Jeans, den warmen Pulli, die dicken Winterschuhe. Am Abend hatte ich noch ein Plakat gebastelt, um die Finnen anzufeuern: "kiri kiri" und "Hyvä Suomi". Zuerst fuhr ich zur S-Bahn, dann mit derselben zum Ostbahnhof, von dort aus mit dem Zug nach Traunstein. In Traunstein traf ich mich dann mit der Manuela und ihrem Vater im Pendelzug nach Ruhpolding.

Sie hatte sich am Tag vorher eine Norge-Flagge zugelegt - in weiser Voraussicht?

Sie gab mir dann den Tipp, meine Eintrittskarte für die Strecke gleich in Ruhpolding im Kurhaus zu kaufen, dann müsste ich an der Kasse am Bia-Bundesleistungszentrum nicht mehr so lang warten und wir könnten gleich an die Strecke und uns einen guten Platz sichern.

Gesagt, getan.

Wir gingen zurück zum Bahnhof und fuhren mit dem Pendelbus zum Ort des Geschehens (Individualverkehr ist nicht zulässig). Dort angelangt wollten wir uns eigentlich wieder in den Auslauf der Schanzen stellen dort war aber bereits alles voll. Also weiter zum Fuß des Hügels hinter der Strafrunde. Dort standen wir erst außen in der Kurve gingen dann nach innen. Der einzige Nachteil unseres Standortes lag darin, das man von hier aus nicht auf die Videowände schauen konnte und auch den Stadionsprecher nicht wirklich gut verstand – am Wochenende ist es zu spät, 1,5 Stunden vorher da zu sein!

Nun ging es ans Zuschauen wie sich die Athleten aufwärmten und die Techniker die Skier testeten. Gilles Marguet erkannten wir, Fritz Fischer. Ein schwedischer Techniker hatte neben seiner eigenen Ausrüstung noch Ersatz-Skier und Stöcke dabei, beladen wie ein Packesel, dies führte zu allgemeiner Heiterkeit. Nach und nach kamen auch die ersten Athleten, wobei die des DSV am meisten Applaus bekamen. Wir freuten uns sichtlich als Frode, Ole Einar, Halvard, Egil, Stian und Lars von den Norges vorbeikamen. Es sollte überhaupt ein sehr norwegischer Tag werden aber das konnten wir ja noch nicht wissen...

Eine teure Leberkässemmel später (2,50 diese Halsabschneider) ging es dann langsam los. Wir hatten uns auf der Startliste unsere „Lieblinge“ farblich markiert. Manuela die Norges und die Deutschen, ich zur Ergänzung die Suomis! Startnummer 19 war Timo Antila, 71 Vesa Hietalahti, 96 Paavo Puurunen und 108 Jussi Mäkelä. Immer wenn einer von ihnen vorbeikam, feuerten wir sie mit „kiri kiri“ an und ich klopfte auf mein Plakat.

Beim Sprint ist es am Anfang recht schön, weil man jeden Athleten einzeln sehen kann, dies nutzten wir aus und machten eine Menge Fotos. Als es zum Schießen ging bekamen wir Probleme da wir es mangels Videowand eben nicht sehen konnten. Wir vermuteten je nach dem wann der Läufer wieder bei uns vorbeikam, wie er geschossen habe. Großes Jammern brach aus, als Raph (Raphael Poirée) nach seinem zweiten Schießen lange im Strafgarten kreiselte (heuljammerschluchz). Diesen konnten wir sehen, wenn wir uns auf das Absperrgitter setzten. Zwischendurch gab es immer wieder heftige Graupelschauer was das Schießen nicht gerade erleichterte.

Als die meisten Läufer durch waren, gingen viele Fans heim. Wir nicht! Wir hatten nun sehr viel Platz und konnten so wunderbar sehen wie der britische Läufer Jason Sklenar zwei Fans zuwinkte die mit einem Transparent für ihn unterhalb des kleinen Hügels standen. Er wäre allerdings fast hingefallen...

Als auch der letzte Läufer im Ziel war gingen wir ebendort hin. Obwohl wir nur eine Streckenkarte hatten kamen wir ohne Kontrolle rein. Nun erfuhren wir auch erst mal das Ergebnis, wir gingen davon aus, OEB habe das gemacht. Was wir da hörten, konnten wir kaum glauben. Es waren norwegische Meisterschaften mit deutscher und österreichischer Beteiligung.

Ergebnis:

1.Halvard Hanevold (NOR),
2.Ole Einar Bjørndalen (NOR),
3. Lars Berger (NOR),
4. Ricco Gross (GER),
5. Egil Gjelland (NOR),
6. Stian Eckhoff (NOR),
7. Christoph Sumann (AUT),
8. Oleg Ryzhenkov (BLR).

Nun gab es die sogenannte “Flower-Ceremony“, die eigentliche Siegerehrung findet immer abends im Ruhpoldinger Kurpark statt. Ole Einar warf seinen Blumenstrauß ins Publikum, er landete eine Reihe vor uns... Auch das Maskottchen erwischten wir nicht..

Als das vorbei war, gab es gleich den nächsten Höhepunkt: Norwegen verleiht jedes Jahr den „Goldenen Lachs“ für besondere Verdienste um Norwegen. Preisträger 2003 war Sven Fischer, der ja fließend norwegisch spricht und viel dafür getan hatte, das Norwegen in Deutschland bekannter wurde.

Zuerst gab es eine Rede des norwegischer Botschafters in Deutschland und die Überreichung einer Lachsstatue. Dann gab es noch ein Quiz bei dem der „Fisch“ bis zu einer Tonne Lachs gewinnen konnte. Quizmaster war OEB. Es war zum kugeln, es war sooo genial. Zuerst fragte er ihn nach irgendeiner norwegischen Spezialität und dann nach dem Namen einer norwegischen Popband, die im letzten Jahr ein Comeback geschafft hatte. Es gab vier Antwortmöglichkeiten „ Ach ja“ „Ach ne“ Ach so“ und A-ha“. Das Publikum brüllte vor Lachen.

Nachdem er alle vier Fragen richtig beantwortet hatte, war unser Held aus Schmalkalden stolzer Besitzer von 1000 kg Lachs. Er ergriff das Wort das er sich sehr über die Auszeichnung freue und kündigte an, jeweils 500 kg Fisch für deutsche und norwegische Altersheime zu stiften. Er sagte dies nicht nur auf deutsch, sondern auch noch auf norwegisch, fließend, ohne sich einmal zu verhaspeln. Die norwegischen Fans jubelten. Ich verstand nur „tysen takk“.

Dann kam noch einmal OEB und kündigte an das auch in Ruhpolding wieder ein paar goldene Ski von Rossignol versteigert würden, der Erlös käme Nachwuchsathleten zu Gute.

Wir verabschiedeten uns nun auch vom Stadion am Zirmberg und gingen zurück zum Pendelbus. Auf dem Weg dorthin wollten wir uns noch ein paar Autogramme holen, aber Vincent Defrasne und Thor Halvor Bjørnstad waren zu schnell weg.

Zurück in Ruhpolding schauten wir erst mal in den Championspark und gingen dann was essen - Pizza - sehr lecker.
Gegen 18 Uhr machten wir uns dann auf den Weg zum Kurpark. Dort waren die Boxen bis zum Anschlag aufgedreht, es blies einem fast die Ohren weg. So gegen 19 Uhr erschienen dann die ersten Athleten auf der Bühne und es gab einige „Showacts“ mit Tanzgruppen aus Ruhpolding, zuerst die „Diamonds“, die eine Art Jazzdance zum Besten gaben, dann noch die „Dirty Twisters“ die tanzten wie im Moulin Rouge“. Es war wirklich gut.

Es ging dann nahtlos weiter mit den Preisverleihungen. All die Nationaltrainer hatten gewählt. Der „Biathlonaward 2003“ ging bei den Damen an Martina Glagow, bei den Herren an OEB, bei den Damentrainern an Uwe Müssiggang, den Preis der Herrentrainer teilten sich Frank Ullrich und Roger Grubben.

Es ging auf halb acht und nun gab es endlich die Siegerehrung. Endlich sah man mal alle Stars aus der Nähe, die ganzen Norges. OEB, Hanevold und Berger sind recht offen, Gjelland und Eckhoff verzogen kaum eine Miene. Es war ein norwegischer Abend im gar nicht kalten Chiemgau.
Dann gab es noch die Startnummernübergabe für die ersten 10 der morgigen Verfolgung sowie die Übergabe des gelben und des roten Leiberls. Dies geschah auf eine reizende Art und Weise. Die jüngsten Mitglieder des SC Ruhpolding trugen diese und wurden dann dem jeweiligen Athleten zugeordnet. Man sah ganz deutlich das Liv Grete Poirée selber Mutter ist – sie behandelte das kleine Mädchen vor sich wie Gold und meinte dann „das sei kostbar“.

Endlich sah ich auch mal Vladimir Dratshev, der die ganze Zeit zufrieden lächelte. Raphael Poirée hatte sich heute drei Strafrunden geleistet und guckte ebenso...

Der Stadionsprecher von Knoerzer (ein rechter Quatschkopf, genau richtig dafür) sorgte dann noch mal für brüllendes Gelächter auf der Bühne und bei den Fans als er auf die vielen Pärchen gerade im norwegischen Team einging: „ Ole, unter den Biathleten paart man sich ja gerne....“ Bis auf Dratshev und Raph Poirée ( die kein Deutsch verstehen) hielten sich alle die Bäuche vor Lachen... Ole meinte aber ganz souverän man müsse ja schließlich den Nachwuchs sichern (das tun sie ja auch, Ehepaar Gjelland, Ehepaar Forsberg, Ehepaar Poirée und da gibt es ja noch mehr bisher unverheiratete).

Zu guter Letzt gab es dann noch ein Feuerwerk zur feierlichen Enthüllung des neuen Ruhpoldinger Biathlonlogos.

Als alles vorüber war, verließen wir den Championspark und Manuela zeigte mir noch das Hotel in dem die norwegische Mannschaft wohnte. Wir schauten dort hin und hätten fast noch zwei norwegische Betreuer umgerannt...

Um 21.12 fuhr der Zug in Ruhpolding, um 21.49 hatte ich Anschluss in Traunstein und um 23:30 Uhr war ich endlich daheim.

Es war einfach nur super!

Freitag, 3. Oktober 2003

Luk-Cup in Bühl/Baden am 03.10.2003

Yeti's letztes Rennen 03 - LUK-Cup zu Bühl
Text: yeti

Luk-Cup am 03.10.2003 in Bühl/Baden

Eigentlich wollte ich „meine Saison 2003“ ja schon nach dem Nürnberger Altstadtrennen beenden aber der Luk-Cup interessierte mich dann doch zu sehr, dieses Rennen wollte ich auch einmal gesehen haben. Nächstes Jahr wird es kaum Rennen in erträglicher Nähe geben und da musste ich eben auf Vorrat zu den rasierten Waden gehen.

Gesagt, getan ich kaufte mir die Fahrkarte im Voraus und kam damit in den Genuss von 25% Rabatt!

Allerdings ging es mal wieder schrecklich früh los!

Um 6:44 Uhr am Münchner Hbf. Das hieß um halb fünf aufstehen, um halb sechs mit dem Radl zur S-Bahn. Immerhin musste ich auf der Hinfahrt nur einmal umsteigen, in Baden-Baden! Wie gesagt auf der Hinfahrt die Rückfahrt verlief etwas umständlicher doch dazu später mehr!

Um halb elf war ich in Bühl an der Strecke.

In Bühl angekommen machte ich mich erst mal auf den Weg zum Start. Dort war bereits Hochbetrieb. Als erstes sah ich das Team Winfix-Techem aus Berlin sowie Cofidis.

Die Vorstellung und Einschreibung der Fahrer trieb mich dann fast in den Wahnsinn!!! Der Sprecher konnte kaum einen Namen aussprechen, Waljawetsch ist nur ein Beispiel. Dann vermutete er in jedem Team Mikhail Timochine und wunderte sich immer warum der nicht dabei sei. Über eine aktuelle Startliste schien er auch nicht zu verfügen, so plapperte er immer von Casero, der aber in Bühl nicht dabei war, stellte verwundert fest, das nicht alle Teams mit acht Fahrern antraten.. “was der ist nicht dabei...gestern stand er noch auf der Liste...“ usw., usf. ...

Herr Migels, wo waren sie???????????????????

Was mich aber am meisten ärgerte war die Ignoranz gegenüber dem Team Merlin Logistics. Die Burschen standen eine Ewigkeit an den Stufen zum Podest bei der Einschreibung und immer wurde ein anderes Team vorgezogen; „ach da ist ja Team Soundso, die können wir jetzt mal vorziehen“. Auch wurden die Burschen in den dunkelblauen Trikots als einziges Team nicht interviewt bei der Einschreibung.

Da ich mich mit Tine verabredet hatte dachte ich, sie am ehesten bei Cofidis zu finden. War dann auch so. Sie war ganz glücklich, um zwölf46 Bilder von Moncoucou reicher. Allerdings fühlte sie sich nicht wohl und beschloss nach dem Start heimzufahren.

Wir sahen uns den Start zusammen an, den Pietro Zucchoni glatt verpennt hatte. Er raste dem Feld hinter her, den Helm unter den Arm geklemmt...

Als die Fahrer außer Sichtweite waren, gingen wir zusammen zu Tines Auto, wo sie mir ihre Fotos vom Besuch bei der Tour zeigte. Klasse Bilder, da wäre ich auch gern gewesen.

Nachdem Tine sich auf den Heimweg gemacht hatte ging ich zurück zur Strecke wo gerade das Rennen der ABC-Klasse lief. Lange Zeit lag eine drei Mann starke Gruppe vorn. Einer der drei hatte ein paar Betreuer an der Strecke die direkt neben mir standen. Es war sehr interessant zu erleben wie das so ablief. In jeder Runde bekam der Fahrer den Abstand zum Feld mitgeteilt. Schließlich versuchte einer der Helfer ihm eine Flasche zu reichen doch da ging gründlich daneben weil der werte Radler dachte der Helfer stünde rechts an der Seite, tatsächlich war er links...hab selten einen Radler so fluchen gehört...

Das Rennen der ABC-Fahrer wurde schließlich um einige Runden verkürzt da die Profis sehr schnell unterwegs waren.

Was mich auch ein bisschen ärgerte war, das man unten in Bühl während dem Rennen der ABC-Fahrer nichts über das Rennen der Profis erfuhr.

Als die Herrn Berufsradler das erste Mal am Ziel vorbeigekommen waren, beschloss ich mit dem Busshuttle zur Bergwertung in Neusatzeck zu fahren.

Oben angekommen fand ich es gleich viel besser. Wesentlich weniger Leute und direkt an der Bergwertung gab es auch Lautsprecher die einen über den Stand des Rennens informierten. Außerdem gab es Fernseher, wo man das ganze ab 15 Uhr live verfolgen konnte. Ich fand einen ganz tollen Platz direkt an der Bergwertung. Bis die Fahrer das erste Mal vorbeikamen genoss ich die Sonne und den herrlichen Blick in die Rheinebene. Traumhaft...

Neben mir stand ein Mann, der mir ein bisschen was zur Strecker erklärte, wo die steilsten Stücke waren, wo die Fahrer sich gerade befanden, wie lange es noch dauern würde, bis sie wieder bei uns vorbeikommen würden usw. ...

Ich machte mich dagegen in Sachen Fahrererkennung nützlich.

Schon bei der ersten Ankunft in Neusatzeck sahen manche Fahrer reichlich grau aus im Gesicht.

In Bühl stand ich das erste Mal überhaupt an einer Bergwertung und kann jetzt so halbwegs nachvollziehen was für eine Anstrengung das ist...

Nach der zweiten Überquerung ging ich zurück zum Bus um die Zielankunft in Bühl nicht zu verpassen. Diesmal war die Fahrt deutlich angenehmer, da ich sogar einen Sitzplatz im Bus bekam.

Unten angekommen ging’s wieder zurück zur Strecke. Ich hoffte auf einen Sieg der Bianchis, da Felix Garcia Casas mit vorn dabei war. Leider wurden meine Wünsche nicht erhört und der Sieg ging an die Magenta-Truppe aus Bonn. Der Mintgrüne wurde zweiter.

Nun hatte ich ein Problem. Rennen gelaufen, es war kurz vor fünf, aber mein Zug ging erst um 19:21 zurück. Ich hatte mir so ein Plan& Spar-Ticket gekauft, bei dem man sich im Voraus auf einen Zug festlegen muss. Da ich auf ein kleines Usertreffen gehofft hatte, buchte ich eine so späte Verbindung.

Es sollte um 19:21 mit dem RE von Bühl nach Karlsruhe gehen, von dort aus mit dem IR nach Stuttgart und dann von Stuttgart aus mit dem ICE nach München, wo ich um 23.40 ankommen würde...

Was tun in einem kleinen Städtchen am Nationalfeiertag?????????

Ich beschloss erst Mal zum Bahnhof zu gehen, vielleicht konnte ich ja etwas früher nach Karlsruhe fahren. In Sachen RE konnte ich ja jeden Zug nehmen, da war ja nicht reserviert. Es gab dann auch einen, der fuhr um 17:21 nach KA. Dort kannte ich mich ja schon ein bisschen aus, kaufte mir was zu essen und zu trinken und setzte mich in den Stadtpark um den Flamingos zuzuschauen. Nach einer Stunde wurde mir dies aber auch langweilig und ich ging wieder zum Bahnhof. Immer noch eine Stunde Zeit bis mein gebuchter Zug nach Stuttgart fuhr. Ich studierte also den Fahrplan und fand tatsächlich wieder einen RE, der kurze Zeit später nach Stuttgart fuhr. Ich bestieg den Zug und fuhr von Baden nach Schwaben. Dort angekommen hatte ich wieder gut 40 Minuten Wartezeit. Diese Zeit ließ sich aber mit dem in KA erworbenen „Focus“ ganz gut überbrücken.

Als der Zug dann endlich kam, war ich froh, nun endlich den letzten Teil meiner Reise antreten zu können. Leider war diese Ausgabe des Prachtstücks der DB AG aber leider nicht besonders gut in Schuss. An dem Sitz neben mir klapperte etwas ganz furchtbar und eiskalt war es auch, so dass an Schlaf nicht zu denken war..

Als ich um Mitternacht schließlich wieder daheim war, war ich nur noch todmüde.

Streik im Öffentlichen Dienst, Winter/ Frühling 2023

Wie bitte? Die Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst streiken? Die mit den sicheren Arbeitsplätzen, die, die in der Pandemie nicht um ihre Jobs...