Freitag, 19. April 2019

Sommerurlaub in Norwegen, Juni 2019

Vorwort 

03.02.2019:

N. und S. befinden sich im schönen Oberstdorf, um dort den Weltcup im Skifliegen zu verfolgen. Eigentlich wären beide lieber im sächsischen Klingenthal, um dort den ersten Gesamtweltcupsieg von Jarl Magnus Riiber live und in Farbe zu erleben.

Leider hatte Team Norwegen erst zu spät mitgeteilt, dass er dort antreten würde und die Fahrt nach Oberi war bereits geplant und gebucht.

Oberstdorf also. Sonntag, kurz vor 12 Uhr. Draußen schneite es mal wieder. Es schneite ja eigentlich schon seit Wochen. Wir saßen vorm Beginn des Skifliegens mal wieder im Oberstdorfhaus herum und während wir da so saßen, kamen wir auf die Idee, dass wir doch im nächsten Sommer aber nun wirklich endlich doch mal nach Norwegen fahren könnten.



Oberstdorf Anfang Februar 2019

Wir lasen uns quer durchs www bezüglich Trondheim, reservierten uns ein Zimmer in einem Hotel und fingen an, uns zu freuen.

Doch leider hatten wir die Rechnung ohne die Fluggesellschaften gemacht. Entweder wir würden fürchterlich viel Geld für vernünftige Flüge bezahlen müssen oder auf dem Rückflug mehr als zehn Stunden auf irgendeinem Flughafen verbringen müssen. Nachts wohlgemerkt.

Beides nicht unbedingt in unserem Sinne.

Wir begannen die Pläne in Bezug auf Trondheim zu begraben und zogen Oslo in Erwägung. Dort waren zwar die Hotels teuer als in Trondheim, aber dafür die Flüge billiger. Zuerst suchten wir nach Komplettangeboten auf diversen Reiseportalen, aber auch dort fanden sich kaum annehmbare Flugverbindungen.

Am Ende buchten wir den Hin- und den Rückflug bei verschiedenen Fluggesellschaften und das Hotel bei booking.com.

Preislich alles mehr als ok.

Hinflug jetzt mit Norwegian, Direktflug von München nach Oslo Gardermoen, Rückflug mit SAS und Zwischenstopp in Kopenhagen. Hotel drei km außerhalb vom Zentrum in Oslo, aber die Wochenkarte für den Nahverkehr ist nicht besonders teuer, ca. 28 € und man kann damit u.a. das gesamte T-Bane-Netz benutzen, die Fähren zu den Inseln im Inneren Oslofjord  und sogar bis rauf zum Kollen fahren usw. und dank der App von ruter.no kann man das Ticket auch schon im Voraus kaufen und aufs Handy laden.

Aufenthalt in Norwegens Hauptstadt vom 21.06. bis zum 25.06.2019. Wir haben schon so viele Pläne, was wir sehen und tun wollen, dass wir vermutlich drei Wochen dafür bräuchten.

Oper, Festung Akershus, Königsschloss, Holmenkollen, Aker Brygge, Karl Johans gate, Inselhopping, Frognerpark, diverse Souvenirshops, usw. usf.

*kauftsichlaufschuhe*

Donnerstag, 02.05.2019 - 50 Tage bis zur Abreise. Festgefahrener Pilotenstreik bei SAS. Hinflug erfolgt zwar mit Norwegian, die Rückreise aber mit besagter bestreikter Airline. N. und S. hoffen auf eine gütliche Einigung bis zum 25.06.2019.

N. hat inzwischen 50 € getauscht und dafür 400 NOK bekommen. Auslandskrankenversicherung ist auch abgeschlossen.




Freitag, 03.05.2019 - 49 Tage bis Abreise. Meldung in der SAS-App, dass der Streik abgesagt wurde.

Donnerstag, 06.06.2019 - 15 Tage bis zur Abreise. N. besitzt inzwischen ein paar bequeme, ziemlich teuer gewesene Laufschuhe. Auf das der Schrittzähler am Handy in Norwegens Hauptstadt in neue Höhen schnellen möge. Ein quietschgrünes Kofferband wurde ebenso erworben.

Ach ja - hat jemand zufällig einen Adressanhänger für meinen Koffer gesehen? Hier sind alle w wie weg.

Donnerstag, 20.06.2019 - Feiertag in Bayern.

Gegen Mittag traf S. bereits in M. ein, zwecks Reduzierung von Stress und Hetze am nächsten Morgen. Es war tierisch schwül, die Luft zum Schneiden. Wenig später goß es aus Eimern. Wir erlebten dies zum Glück IN der Wohnung, mit Früchtetee und Donuts.

Auf dem Weg vom Bahnhof zu N.s Wohnung kapitulierte leider die Schiebestange am Koffer von S., später ging noch ein Teil des Handyladgeräts kaputt, konnte aber durch ein älteres Modell ersetzt werden.

Des Weiteren Messer 1 - Finger 0.

Den weiteren Abend überstanden wir schadlos.

Freitag, 21.06.2019 - erster Tag in Oslo. 

Wir standen gegen 6 Uhr auf, Abmarsch zur Bushaltestelle 6:55 Uhr. Bus 7:02 Uhr, S-Bahn 7:15 Uhr. Alles ohne Probleme. N. atmete auf.

Die Gepäckaufgabe am Flughafen klappte reibungslos. Das Leben ist besser ohne Koffer. Vor allem ohne kaputten Koffer!

Unser Gate am Terminal 1 suchten wir ewig und drei Tage. Sicherheitscheck dann ohne besondere Vorkommnisse.

8:25 Uhr: N. und S. warten am Gate D 16/Terminal 1 aufs Boarding, welches um 9:15 Uhr beginnen soll.

ca. 9:12 Uhr: N. sieht zufällig auf dem Monitor, dass sich das Gate mal eben von 16 auf 2 geändert hat. Zwei Kombifans rennen los.

9:15 Uhr: Boarding beginnt. Mit dem Bus zum Flieger. Auf dem Rollfeld (irgendwo, ganz weit draußen) tierisch heiß und schwül.

Die Flugzeit sollte ja eigentlich 2 h 15 Minuten betragen. Im Flieger wurde dann aber durchgesagt, dass es nur 1:50 Uhr sein würden. N. und S. waren sich kurzzeitig nicht ganz sicher, in der richtigen Maschine zu sitzen.

Der Flug war dann ein echter Traum. Super Wetter, keine Turbulenzen, tolle Sicht nach unten.



Aufgetz!




Hallo Norwegen!

Am Ende waren wir tatsächlich 25 Minuten früher als geplant in Norwegens Hauptstadt. Im Gegensatz zum Münchner Flughafen fanden wir hier alles sofort.






Wir kauften uns dann erstmal etwas zum Essen und bekamen den ersten Schock bezüglich der Preise.

Nach einer Weile hatten wir es dann auch geschafft, uns mittels Ruter-App das Anschlussticket zur Fahrt in die Osloer Innenstadt zu kaufen und auch der richtige Zug ward schnell gefunden.

Ca. 40 Minuten später waren wir im Stadtteil Skoeyen, wo unser Hotel "Scandic Sjoelyst" war. Leider wurde dieses gerade renoviert und so war das Fenster unseres Zimmers mit Folie verhüllt und öffnen lies es sich zu unserem Bedauern auch nicht.

Da das Zimmer jedoch über eine gute Lüftung verfügte, konnten wir damit leben. Nachdem wir uns etwas eingerichtet hatten, gingen wir auf Tour in die Osloer Innenstadt und vorher noch in den benachbarten Supermarkt.


81 Kronen für 1 Liter Wasser und 3 Schokoriegel = 8,34 €.



Bayerisches Bier im Hohen Norden. Im normalen Supermarkt allerdings bleifrei.

Vom Hotel wieder zum Bahnhof Skoeyen und von dort mit dem Regionalzug bis zur Station Nationaltheatret. Von dort führte uns unser Weg zum Königsschloss.

Für den täglichen Wachwechsel um 13:30 Uhr waren wir zwar um einiges zu spät, merkten uns diesen aber für einen der kommenden Tage vor.


Springbrunnen auf der Rückseite vom Nationaltheater.

Vom Theater weiter die Prachtstraße Karl Johans gate hinunter, vorbei am "Oslo Pride" und prächtigen Häusern, wie dem "Nordischen Institut für Seefahrtsrecht" und dem Grand Hotel.



Vor dem Parlamentsgebäude fanden wir den norwegischen Ableger von "Fridays for future".


Dort legten wir dann eine kleine Pause ein und studierten erstmal einen Stadtplan.

Als nächstes strebten wir der Osloer Oper entgegen. Wo sonst auf dieser Welt kann man schon einem Opernhaus aufs Dach steigen und dies auch noch völlig legal?


Danach dann Abendessen bei "Peppes Pizza". Eine große Pizza Margerita für zwei Personen, ein Cola und eine Apfelschorle für 300 Kronen = 30,88 €.




N. + Pizza

Danach bis zum Sonnenuntergang auf dem Dach der Oper. 




Hier noch ein paar Fotos von Model-Möwe, das Vieh war extrem zutraulich. Vermutlich werden die Vögel an der Oper von den Touristen öfters mal gefüttert. 






Gegen 23:30 Uhr in der Nähe unseres Hotels.

Zurück im Hotel gegen Mitternacht, im Bett um 1:30 Uhr. Nordische Sommernächte sind definitiv nicht zum Schlafen da.

Königsschloss
Karl Johans gate
Souvenirshop
Supermarkt
Oper
Peppes Pizza
Hafen
Oper

21,08 km gelaufen
24.076 Schritte
304 Minuten aktiv
1.220 kcal verbrannt

Samstag, 22.06.2019 - Norges Cup am Midstuen und ein nutzloser Schanzenbesuch.

Am nächsten Morgen standen wir gegen 8 Uhr auf, gegen 9 Uhr waren wir beim Frühstück und probierten dort todesmutig den von vielen Seiten so gelobten Brunost.


S. fand ihn toll, N. furchtbar. Selbiges Ergebnis bei der Erdnussbutter. Semmeln gab es übrigens keine, dafür verschiedenes Brot, Knäckebrot, Kräcker, Hafergrütze usw.

Und Fisch. Geräucherten Lachs, Pfeffermakrele, Fischfrikadellen. Wir schwelgten.



Nach dem Frühstück alles Nötige in die Rucksäcke gestopft und ab zum Bahnhof. Mit dem Regionalzug vom Bahnhof Skoeyen zum Hauptbahnhof (Oslo S) und von dort aus mit der T-Bane (Tunnelbane, die Osloer U-Bahn) rauf zum Kollen, genauer gesagt bis zur Station Midstuen. Auf der Fahrt vom Stadtzentrum Oslos bis hinauf zum Bahnhof Frognerseteren überwinden die Züge dabei einen Höhenunterschied von 469 Metern!




Einige Wochen vor unserer Abreise hatten wir auf der HP des norwegischen Skiverbandes gelesen, dass am 22.06. und 23.06. am Midstuen (Springen) und am Holmenkollen (Lauf) ein Norgescup der Kombis stattfinden würde.

Da MUSSTEN wir natürlich hin, zumindest an einem Tag. Kombinieren (haha) wollten wir das Ganze noch mit einem Besuch auf der Holmenkollenschanze. Dort wird ja im Sommer nicht gesprungen. Unser Hotel hatten wir bei Booking gebucht und im Rahmen dieser Buchung gab es die Möglichkeit, Eintrittskarten zu diversen Attraktionen in Oslo einige Kronen günstiger zu bekommen. Das wollten wir nicht ungenutzt lassen.

N. kaufte also morgens im Hotel zwei Onlinetickets für Schanze + Skimuseum für jeweils 119 Kronen. Der reguläre Preis wären 140 Kronen gewesen. Nicht viel, aber im Hochpreisland Norwegen zählt jeder Cent äh Öre. Wir freuten uns. Dass die Freude nur von kurzer Dauer sein würde, konnten wir so früh am Morgen noch nicht wissen.

Die Fahrt hinauf in die Nordmarka war landschaftlich ein echter Traum. Im Reiseführer stand, dass man sich bei der Fahrt hinauf auf die in Fahrtrichtung gesehen linke Seite setzen sollte, dann hätte man die bessere Aussicht - stimmt! 13 U-Bahnstationen später waren wir oben.

Oben angelangt mussten wir wir zwar einmal nach dem Weg fragen, standen dann aber kurze Zeit später vor den Schanzen am Midstuen.






Im Vorfeld hatten wir ja schon befürchtet, die einzigen Zuschauer beim Norgescup zu sein. Dies traf zum Glück aber bei weitem nicht zu. Sogar zwei weitere Deutsche waren anwesend!

Es sollte an diesem Tag zwei Springen geben, eins für den heutigen Tag, eins für den nächsten. Plus Training/Probe/PCR.  Auf Grund mangelnder Sprachkenntnisse kamen wir nicht so ganz dahinter, was jetzt was war, aber egal, Hauptsache Nordische Kombi live. *gg*

Wir sahen nicht nur aktive Kombinierer, sogar einen Teil des A-Kaders der Norweger, nein, auch aktive und ehemalige Springer, Familienangehörige der Kombis mit Hunden usw. Jarl Riiber war nicht, da obwohl er auf der Startliste stand. Eine Frau hatten wir, nicht zuletzt wegen ihrem Hund, schnell als Mama Riiber identifiziert. Falls sich jetzt jemand fragt, woher zwei unbeteiligte Fans aus Deutschland wissen, wie die Mutter von Jarl und Harald aussieht, dem sei dieses Video empfohlen.

Hund Akito sieht man hier.

Jarl war ja wie gesagt nicht da, stattdessen sein älterer Bruder Harald, der im B-Kader der Norweger steht und zwei Tage zuvor bei der Holmenkollen Ski Show gewonnen hatte. Akito war auffallend unruhig, im Gegensatz zum Hund von Fredrik Bjerkeengen und seiner Freundin.

Wir fragten uns, warum der Hund so nervös war. Wollte er etwas mitteilen? Wo war Jarl? Fragen über Fragen. *gg*

Das Springen Norges Cup A gewann dann Espen Andersen vor Espen Dahlhaug Bjoernstad und Simen Kvarstad.

Wir wanderten vom Midstuen langsam hinüber zum Holmenkollenstadion, um uns dort dann später noch den Lauf anzusehen. Dabei verliefen wir uns einige Male, ehe wir dann mitten durch die Botanik doch noch zum Skistadion fanden.






Hier drei Videos, die ersten zwei sind vom Norges Cup der Kombis, das letzte vom Training der Spezialspringer. Trainer auf dem Turm dabei übrigens Rune Velta.









Vor dem Lauf der Kombis streiften wir noch ein wenig am Kollen herum.




Rechtzeitig zum Start der Mädels hatten wir einen schönen Platz auf der Haupttribüne gefunden.




Bei dem Mädels gewann Gyda Westvold Hansen, bei den Herren Espen Andersen vor Einar Christian Luraas Oftebro und Espen Dahlhaug Björnstad. Fotos vom Sieger Andersen siehe oben. Wir freuten uns sehr für ihn.

Nach dem Rennen wollten wir dann auf die große Schanze. Ganz rauf. Zuerst schlichen wir noch ein bisschen durchs Stadionareal, dann machten wir uns auf den Weg zur Schanze + Skimuseum.











N. zückte ihr Handy mit dem QR-Code, dieser wurde an der Kasse gescannt und die freundliche junge Dame dort wünschte uns viel Spaß. Wir also rein ins Museum.



Dort waren wir recht schnell durch, hatten uns irgendwie mehr versprochen. Vom Museum aus sollte dann auch der Lift nach oben gehen. Doch die Tür war zu.

Wir zurück zum Eingang, um nachzufragen was zu tun sei. Noch bevor wir fragen konnten, sahen wir ein Schild mit der Aufschrift, dass der Lift an diesem Tage nicht ginge. Wir waren fassungslos, das hätte man uns beim Einlass wenige Minuten vorher wirklich sagen können, da wir die Möglichkeit hatten die Eintrittskarten bis 20 Uhr kostenlos zu stornieren.

Den Leuten, die nach uns kamen, gab am Einlass die Auskunft, dass sie das Museum kostenlos besichtigen könnten.

Wir waren stocksauer und wollten das so nicht auf sich beruhen lassen. N. sprach die Dame an, ob wir an einem anderen Tag wiederkommen und dann kostenlos auf den Turm fahren könnten.

Wir bekamen lediglich zur Auskunft, dass wir am Montag kommen könnten, dann aber neue Karten kaufen müssten.

Aber ganz sicher nicht!👎

Wir machten unserem Ärger dann auch Luft bzw. schrieben einige Mails an Booking und den norwegischen Verband und hatten am Ende auch Erfolg damit, doch dazu später mehr.



Wütend wie wir waren, traten wir die geplante Wanderung zum Vettakollen an. Wir verliefen uns dauernd. Das Navi war keine Hilfe und die Schanzenquerung bestimmt nicht so vorgesehen. Der Weg war lang und beschwerlich, der Ausblick am Ende entschädigte aber für alles.





Die Schmidfahne hatte es auch endlich nach Norwegen geschafft.


Kalle und Espen-Mikko auf dem Vettakollen.





Nach dem Abstieg vom Vettakollen machte N. den Vorschlag, mit der T-Bane doch noch ganz rauf zum Frognerseteren zu fahren und auch von dort hatten wir noch einen fantastischen Ausblick.

Anschließend wieder runter in die Stadt, am Bahnhof was zum Essen gekauft und kurz ins Hotel.

Und weil wir an dem Tag ja noch nicht genug gelaufen waren, machten wir uns nach kurzer Rast und vollen Wasserflaschen noch auf den Weg zur Halbinsel Bygdöy, genauer gesagt zur Paradisbukta. Die nachfolgenden Fotos wurden zwischen 22:00 und 23:19 Uhr aufgenommen.



Endlich am Strand, endlich am Meer. Laut Internet hatte das Wasser 16 Grad, es kam uns aber wesentlich kälter vor. Aber mit den Füßen waren wir drin!



Links von uns eine Gruppe Norweger. Von ihnen hörte man bis auf leises Gitarrengeklimper nichts. 

Rechts von uns eine Gruppe junger Menschen, nun, in Deutschland würde man sagen mit Migrationshintergrund. Wir vermuteten Ex-Jugoslawien als deren Herkunftsland. Bei dieser Gruppe herrschte "god stemning", wie man in Norwegen sagen würde. Ghettoblaster, Essen, Getränke. Wir überlegten ob die Herrschaften die Flasche Slivovitz importiert oder drei Monate dafür gespart hatten.

Ach ja, hat jemand gewusst, dass dieses Lied auch in andere Sprachen übersetzt wurde? Wir hörten es in besagter Paradisbukta von der Gruppe zu unserer Rechten. 

Ein Lagerfeuer hatten beide Gruppen. Tusen takk dafür, ihr habt auch uns die Mücken damit weitgehend vom Leib gehalten. Irgendwann brachten ein paar junge Männer eine ganze Birke zum Feuer, diese wurde auch sogleich mit einer mitgebrachten Säge in handliche Stücke zerteilt.

Kalle und E-M wollten auch unbedingt mit!

Plötzlich stand oben am Weg die Politi. 👮 Schlagartig war die Musik aus. *gg* 

Wir verabschiedeten uns gegen 23 Uhr vom Strand und strebten dem Hotel zu. Es war immer noch unfassbar hell. Man verliert in diesen nordischen Sommernächten definitiv jegliches Zeitgefühl. Wir hatten immer das Gefühl, dass es mindestens zwei Stunden früher sei.

Man fühlt sich leicht und schwerelos, es ist wie ein Rausch, auch ohne jeden Alkohol. Das muss man wirklich mal erlebt haben. Oder auch zwei Mal oder drei Mal.




Und dann war da ja auch noch die Sache mit dem missglückten Schanzenbesuch. N. schrieb via Kontaktformular eine Nachricht an Booking und schilderte das Problem. Am nächsten Tag setzte sich das E-Mail-Geschreibe mit Booking fort. Es kam eine Antwortmail mit Fragen, die von uns beantwortet wurden. Jedes Mal schrieb ein anderer Mitarbeiter des Portals, der aber scheinbar die vorherigen Mails nicht gelesen hatte. Es ging immer wieder von vorn los, es drehte sich im Kreis.

Am 24.06. hatte N. die Nase voll und schrieb eine E-Mail an skiforeningen.no, schilderte das Problem erneut. Neun Stunden später kam eine Mail von dort, man entschuldigte sich und bot an, das Geld für die zwei nutzlosen Tickets zurückzuerstatten.

Ich teilte meine Bankverbindung mit und wir bekamen das Geld tatsächlich zurück!




Norgescup Midstuen und Holmenkollen
Skimuseum und Holmenkollbakken
Wanderung auf den Vettakollen
Paradisbukta auf der Halbinsel Bygdoey

23,62 km gelaufen
31.758 Schritte
348 Minuten aktiv
1.384 kcal verbrannt

Sonntag, 23.06.2019 

Am nächsten Morgen gönnten wir uns wieder ein ausführliches Frühstück im Hotel. Kleiner Tipp von unserer Seite fürs teure Norwegen: Unterkunft MIT Frühstück buchen und dann morgens richtig ausführlich futtern, ist ja schließlich schon bezahlt.

Mit dem Regionalzug wieder zum Hauptbahnhof und von dort aus mit der T-Bane, diesmal Linie 5 zum See Sognsvann.


Vor Ort stolperten wir als erstes über das hier. *herzdessportfreaksschlughöher*






Die Landschaft am See war dann typisch skandinavisch, blanker Granit überall, Birken, Nadelbäume, Beerensträucher, die aber so früh im Jahr leider noch keine Früchte trugen. See einmal umrundet. Am Ende fütterten wir noch ein paar Enten, die in Norwegen genauso verfressen waren wie in Deutschland. Der aus Mitteleuropa importierte Haferkeks schien ihnen zu munden.


Vom See zurück zur T-Bane. Auf der Hinfahrt hatten wir schon das Ullevaal-Stadion gesehen und da wir beide nicht nur Wintersport-, sondern auch Fußballfans sind, mussten wir da natürlich auch noch hin. *wochenkarteseidank*







*herzdeswintersportfansschlugnochhöher*

Stadion ebenfalls einmal umrundet. 

Das Stadion hat 28.000 Plätze, ist damit das größte des Landes und der Austragungsort aller Länderspiele sowie des nowegischen Pokalfinales, man nennt es auch Ullevaal Festning (Ullevaal Festung), auch wenn die Erfolge des norwegischen Fußballs ja sehr überschaubar sind...



Vom Stadion zurück zur U-Bahn und weiter Richtung Stadtzentrum und von Sport auf Kultur umgestellt. Wir strebten der Festung Akershus zu. Am Eingang wachten ein paar Soldaten und wir waren uns zunächst unsicher, den richtigen Eingang gefunden zu haben. Vor uns eine weitere Gruppe Touristen, die ohne Probleme passieren konnte und so taten wir das gleiche. Von der Festung aus hatte man einen super Blick auf die Stadt und den Hafen. 






Von der Festung machten wir uns auf zu einem der dunkelsten Punkte der jüngeren norwegischen Geschichte, zum 22. juli-senteret.

Hier noch ein Video zur Sache.  Die Bombe, die der Atttentäter Anders Behring Breivik in einem Lieferwagen versteckt zur Explosion brachte, wog 950 Kilo, die Schäden an den Gebäuden sind bis heute zu sehen.

Der Besuch des Zentrums geht einem wirklich durch Mark und Bein...vor allem der eine Raum, in dem Fotos fast aller Opfer hängen...






Als wir uns wieder einigermaßen gefangen hatten, machten wir uns auf den Weg zu zwei Straßen in Oslos Innenstadt, in denen noch schöne alte Holzhäuser erhalten waren. Bunt und friedlich war es dort, genau das Richtige nach der Gedenkstätte mit ihrem Grauen.








Und weil Herumwandern irgendwann hungrig macht und wir seit dem Frühstück außer Haferkeksen und Wasser nichts mehr zu uns genommen hatten, zog es uns nunmehr in Richtung Grünerlökka und "Haralds Vaffel".

Laufen laufen laufen.

Wir fanden auch den Waffelladen. S. probierte die ganz traditionelle norwegische Variante mit brunost, Sauerrahm und Preiselbeeren, N. blieb bei Waffel + Zucker.


Köstlich! Wir aßen unsere Waffeln in einem kleinen Park, schön im Schatten alter Bäume.

Danach wollten wir dann wieder in Richtung Aker Brygge, schließlich war am heutigen Tage Sankthans und um 19 Uhr sollte es dort ein Feuer geben. Unsere Füße brannten in den Schuhen und so fuhren wir mit der Trambahn, in Oslo "trikken" genannt, dorthin.

Handtuch ausgebreitet und ins Gras gesunken.




Als das Feuer weitgehend abgebrannt war, so ca. um 19:20 Uhr, packten wir unser Graffl wieder zusammen und liefen bis zum Ende von Aker Brygge, wo wir lange saßen und auf den Fjord blickten. Zwischendurch kurz zurück zum Hauptbahnhof, Brotzeit organisiert und wieder zurück an den Fjord, wo wir bis zum Sonnenuntergang (22:42 Uhr) blieben.







Im Hotel gegen 24 Uhr, im Bett um halb zwei.

Schlafen kann man im Winter.

Sognsvann
Ullevaalstadion
Festung Akershus
22. juli-senteret :(
Damstredet
Telthusbakken
Haralds Vaffel
Sankthans Aker Brygge Tjuvholmen
Abendessen organisieren
Aker Brygge

Musik zur Mittsommernacht:

Mittsommernacht - Midsommarnatt

Es war Mittsommernacht

Midsommersang

24,28 km gelaufen
30.298 Schritte
343 Minuten aktiv
1.414 kcal verbrannt

Montag, 24.06.2019

Letzter vollständiger Urlaubstag im schönen Oslo und wir hatten immer noch eine Menge Programmpunkte abzuarbeiten. Den ersten konnten wir sogar mal zu Fuß erreichen. Allerdings ging es leider dauernd bergauf und da ziemlich warm und schwül war, kamen wir doch ziemlich ins Schwitzen.

Unterwegs wussten wir einmal kurz nicht weiter, bekamen aber sofort Hilfe von einer freundlichen Dame im Garten einer Kita, die meinte an dieser Stelle würden sich öfters Touristen verirren. Wir sollten doch einfach weiter geradeaus laufen, dann kämen wir direkt zum Park.

Tusen takk!

Der Park war dann auch wirklich sehenswort, beeindruckende Statuen und wunderschöne Blumen.




Wir liefen durch den Park und stellten fest, dass auf der anderen Seite ein Bus zurück zur Bahnstation Skoeyen fuhr. Von dort wollten wir weiter in die Stadt und zum Botanischen Garten. Klappte auch alles. Schön kühl wars im Bus.

In Skoeyen angekommen stiegen wir aus und liefen zum Bahnhof. Zug sollte laut Anzeige in wenigen Minuten kommen. Aus fünf Minuten wurden zehn, aus zehn 15, aus 15 bald 20.

N., in solchen Dingen ja bereits mit jahrelanger Erfahrung aus München ausgestattet, prüfte die Lage auf der HP von ruter.no. Dort war zu lesen, dass es am Bahnhof Oslo S einen Feueralarm gegeben hatte und der Bahnverkehr aus diesem Grund eingestellt sei.

N. und S. klappten das Handy ein und liefen zur Trambahn. Nach einiger Fahrerei waren wir dann am Botanischen Garten, der nicht mal Eintritt kostete. Wir waren doch sehr erstaunt darüber, der tolle Park wäre nämlich wirklich ein Entgelt wert. Aber ok, wir wollten uns nicht beschweren, Norwegen ist teuer genug.



















Vom Park zurück zum Bus und in die Stadt, wir hatten da ja noch einen Termin am Schloss. 13:30 Uhr, Wachablösung.

Es war übrigens immer noch warm und so sanken wir dort erstmal im Schatten zu Boden. Neben uns lauter Landsleute.

Die Ablösung selbst war dann eher nüchtern, was einen Mann neben uns zu der Aussage veranlasste, er habe sich das Ganze pompöser vorgestellt, Zitat "So richtig mit Ferde und Musik!".

Beides Fehlanzeige.



Wir ließen das Schloss hinter uns und machten uns auf den Weg zum Hafen, um von dort aus mit einer der kleinen Fähren zu den Inseln im Inneren Oslofjord zu fahren.

Nach einer reichlichen Weile hatten wir den Fahrplan verstanden und festgestellt, dass wir noch jede Menge Zeit hatten. Wir kauften uns das teuerste Eis unseres Lebens (Softis, fast vier Euro) und schlenderten noch ein wenig zur Aker Brygge.

Irgendwann hatten wir dann auch herausbekommen, wo das Schiff abfuhr. Eine Fahrkartenkontrolle gab es übrigens auch hier nicht. Zwei bayerische Touristen wunderten sich.

Wir fanden einen schönen Platz am Oberdeck und freuten uns des Lebens. Sonne, Fahrtwind um die Nase, nordischer Sommer in Reinkultur.



Auf der Insel fühlten wir uns dann wir in einem Astrid-Lindgren-Film. Bunte Holzhäuser, kleine Inselchen, ein nordischer Sommertraum.

Nordischer Sommer 1  Nordischer Sommer 2 Nordischer Sommer 3

Leider reichte die Zeit nicht mehr, um nach Lindoeya (Lindeninsel) noch zu einer weiteren Insel zu fahren. Wir wollten ja schließlich noch auf den Holmenkollen.

Mit dem nächsten Schiff zurück in die Stadt gefahren und auf den Weg nach oben gemacht.

DIESMAL musste es einfach klappen!

Wir fuhren vom Hafen zum Hauptbahnhof (Oslo S bzw. Jernbanetorget) und stiegen dort in die Linie rauf zum Holmenkollen. Diesmal waren wir schlauer und so ging S. vor dem Kartenkauf erstmal rein und fragte nach, ob der Lift denn heute auch fahren würde. Tat er.

N. kaufte via Handy erneut zwei Onlinetickets und wenig später standen wir vor dem Lift, ehrfürchtig und mit etwas weichen Knien. Die Schanze ist wirklich sehr, sehr hoch!

Man kann aus dem  Lift nur nach oben gucken, nicht seitlich raus oder so, das erleichterte uns die Sache (also wenn man so kurz ist wie wir).

Nach ca. einer Minute standen wir ENDLICH oben an der Schanze! Es war noch viel beeindruckender, als wir es uns vorgestellt hatten.








Kalle und E-M waren natürlich auch mit am Start, so als echte Wintersportelche. ;)


Diese Fußballfans sind aber auch überall...




Die nächsten Bilder sind aus dem Souvenirshop neben dem Skimuseum, wo wir die teuersten Postkarten und Briefmarken unseres Lebens kauften.




Erinnert sich noch jemand an Mattis Grand Slam 2005?










Unser Ausblick während wir die Karten schrieben. Eigentlich wollten wir ja bis zum Sonnenuntergang oben am Berg bleiben, nachdem es aber kurz vor 21 Uhr anfing zu regnen, machten wir uns früher auf den Weg nach unten.


Heming, der Verein von Kombi-König Jarl.

Zurück im Hotel stopften wir soweit wie möglich alles in unsere Koffer und bedauerten sehr, dass unser Traumurlaub nun leider schon wieder rum war

Vigelandsparken
Botanisk hage
Wachablösung Schloss
Insel Lindoeya
Holmenkollbakken

21,06 km gelaufen
26.452 Schritte
302 Minuten aktiv
1.202 kcal verbrannt

Dienstag, 25.06.2019 - Heimreise via Kopenhagen

Am nächsten Morgen schwelgten wir dann noch ein letztes Mal in Waffeln, Lachs und Pfeffermakrele,bevor wir aus dem Hotel auscheckten und uns samt Gepäck zum Bahnhof Skoeyen schleppten. Und wie sollte es auch anders sein, wenn wir unterwegs sind, blieb der Zug in der Innenstadt kurz im Tunnel stehen.

Letzten Endes ging aber alles gut und wir erwischten den zweiten Zug nach Gardermoen, wo wir dann auch noch jede Menge Zeit hatten, bevor unser Flug nach Kopenhagen ging. Noch ein wenig (haha) Geld in norwegische Schokolade gesteckt, durch den Duty Free-Shop geschlendert und die Trinkflasche nach der Sicherheitskontrolle mit kostenlosem Wasser aufgefüllt.

Tusen takk, Norge!



Während es in Oslo noch regnete, hatten wir wenig später wieder traumhaftes Wetter.


In Kopenhagen-Kastrup wunderten sich zwei Touristen aus Steinzeit-Deutschland dann erneut darüber, was es heutzutage alles so gab im Ausland...



Zurück in München war es dann abartig heiß, wir fanden nix und andere Passagiere fuhren uns mit ihren Koffern über die Füße. Ach ja, ne Klimaanlage gab es natürlich auch nirgends. Warum auch, hatte ja nur 35 Grad oder so.

                        Und nächstes Jahr dann aber wirklich! (Zweites Wort von oben!)




Grobe Planung für die Sommer- und Wintersaison 2019/2020

Sommer:

06.09.-08.09.2019 Sommer Grand Prix der Nordischen Kombination, Planica

Winter:

20.12.-22.12.2019 Weltcup der Nordischen Kombination, Ramsau am Dachstein

04.01.2020 VST Innsbruck

17.01.-19.01.2020 Weltcup Skispringen Titisee-Neustadt

24.01.-26.01.2020 Weltcup der Nordischen Kombination, Oberstdorf

31.01.-02.02.2020 Weltcup der Nordischen Kombination, Seefeld in Tirol

07.02.-09.02.2020 COC Skispringen, Brotterode

13.03.-15.03.2020 Weltcup der Nordischen Kombination, Schonach im Schwarzwald

Wie viel davon am Ende wirklich umgesetzt wird wird sich zeigen. Die Kombi-Bewerbe aber auf jeden Fall!



Freitag, 22. März 2019

Weltcup der Nordischen Kombination in Schonach, 15.03.-18.03.2019


Schwarzwaldpokal 2019 und Weltcupfinale in Schonach im Schwarzwald

Freitag, 15.03.2019 - Vorwort - Brecht den Mist doch endlich ab!

Im Januar diesen Jahres kam er über Südbayern, der große Schnee, so viel Schnee wie man ihn hier lange nicht mehr gesehen hatte. Katastrophenalarm in fünf oberbayerischen Landkreisen, eingeschneite Orte, geräumte, nicht evakuierte Orte. Tagelange akute Lawinengefahr. Gesperrte Straßen. Bundeswehr und THW im Dauereinsatz. Schulausfälle.

Schulausfälle!!

N. konnte sich nicht erinnern, dass hier in Südbayern jemals wegen Schnee die Schule ausgefallen war. Wir lernten alle etwas über zulässige und überschrittene Schneelasten auf Hausdächern und wie man diese ermittelte

Irgendwann hörte es auch mal wieder auf zu schneien, doch der Winter blieb zu warm. N. und S. begannen (wie jedes Jahr eigentlich) um den Weltcup in Schonach zu bangen.

Die Schneekontrolle würde am Freitag, den 08.03.2019 sein. Unsere Unterkunft kostenfrei stornieren konnten wir bis Donnerstag, 07.03.2019 um 23:59 Uhr.

N. und S. zitterten. 

Die erlösende Nachricht kam am Freitag gegen 12 Uhr. 

Um diesmal auch den PCR sehen zu können, hatten wir uns schon vor Wochen Super-Sparpreis-Tickets bei der DB gekauft und würden damit diesmal in den Genuss (haha) des Fernverkehrs kommen. 

Da nicht klar war, wer nach der Saison aufhören würde, wollten wir diesmal einfach alles mitnehmen und so viel wie möglich vom Weltcup sehen. Ein wenig gebangt hatten wir im Vorfeld mal wieder, da Jan Schmid den Weltcup in Oslo ausgelassen hatte und Jörgen Graabak krankheitsbedingt nicht hatte starten können.

Doch in Schonach waren beide wieder dabei. Team Norwegen kam mit acht Sportlern, Harald Johnas Riiber sollte am Samstag starten, Einar Oftebro am Sonntag. Einar lag unter den besten 30 des aktuellen Gesamtweltcups und durfte somit beim Saisonfinale ran.

Soweit der Plan der Norweger. Doch Pläne sind ja des öfteren Schall und Rauch. Team Norwegen sollte dies im weiteren Verlauf des Weltcups noch erfahren.

Um 7:28 Uhr ging der ICE in München. Das erste, was im Zug durchgesagt wurde war, dass das Bordbistro leider defekt sei. Heiße Getränke erst ab Mannheim. 

Sänk ju for träwelling wis Deutsche Bahn...

In Augsburg stieg S. zu. Wir genossen unser Leben in vollen Zügen und vor allem das freie W-lan. Tänk ju!

In Stuttgart wechselten wir in den IC. Zug bewegte sich keinen Meter. Durchsage, dass man leider die Lok neu starten müsse...

Sänk ju for träwelling...

Am Ende hatten wir so viel Verspätung, dass der Anschluss in Karlsruhe weg war und wir dort ne Stunde warten mussten. Der Bahnhof in Karlsruhe muss einer der ältesten in der ganzen Republik sein. Aber immerhin hatten sie dort funktionierendes W-lan. Wir Süchtlinge wir...

Sänk ju for...

In Triberg mussten wir dann noch mal 50 Minuten auf unseren Bus nach Schonach warten. 

Während wir dort so im Bahnhof herumsaßen und Brotzeit mümmelten, lasen wir auf Twitter auf dem Account der FIS, dass es statt der geplanten zwei nur einen Trainingsdurchgang geben würde. Training somit ohne uns.

Wir waren wütend. Danke für nix, DB.

Draußen regnete es, windig war es in Triberg eigentlich nicht, oben in Schonach schien es jedoch anders zu sein.

Der Bus kam pünktlich und der Fahrer wollte dann nicht mal Geld von seinen Fahrgästen haben. Dankeschön!

In Schonach angekommen eilten wir zur Pension, checkten ein und machten uns auf zur Schanze.

Nur das Nötigste hatten wir dabei, Geld, Handy, Schlüssel, Schirm.

Das Wetter zeigte sich von seiner schlechtesten Seite, es windete und regnete, die Sprungergebnisse waren die reinste Lotterie. Espen Andersen und Fabian "Rio" Riessle hatten nicht den Hauch einer Chance und wären ausgeschieden gewesen. 

Nach Fabis Sprung war ganz offensichtlich so viel Wasser in der Spur, dass die deutschen Trainer intervenierten. Jedenfalls gab es nun eine längere Pause, was N. zu der Aussage veranlasste, man solle diesen Sch..ß doch endlich abbrechen.

Memo an mich: In Zukunft leiser sprechen, wenn sich ausländische, der deutschen Sprache mächtige Athleten in der Nähe aufhalten...

Die Beratungen am Schanzentisch zogen sich in die Länge, unsere Klamotten wurden nässer und nässer. Irgendwann hatte die FIS ein Einsehen, mit den Sportlern, den Fans, den Verantwortlichen.

Der PCR wurde abgebrochen und auf den nächsten Tag verschoben. 

Wir machten uns auf den Weg zurück in die Pension und trockneten mal wieder Klamotten auf Heizungen und in Duschkabinen...




Den Abend verbrachten wir mit im Internet surfen, fernsehen sowie Abendessen in der Pizzeria.

Am nächsten Tag sollte es dann um 9:30 Uhr mit dem PCR weitergehen, Wettkampfsprung um 11, LL um 15 Uhr. 

Ach ja, haben wir schon erwähnt, dass es in Schonach ein wenig windig war? 

Also gut, es windete. Tag und Nacht. Teilweise hatten wir das Gefühl, dass das Hausdach jetzt dann gleich abheben würde....

Samstag, 16.03.2019 - Wir brauchen kein Windnetz, wir haben den Schwarzwald!

Am nächsten Morgen schien die Sonne. 

Ach ja, es windete übrigens immer noch. 

Wir stärkten uns beim Frühstück mit Tee, Semmeln und Apfelkuchen und machten uns dann wieder auf den Weg zur Langenwaldschanze. 

Es windete und windete. Wir gaben keinen Pfifferling auf den Bewerb. Hoffentlich ging wenigstens der PCR durch. Es musste einfach sein, es gab da doch ein paar Jungs, die wir (vielleicht) zum allerletzten Mal sehen würden, da musste es einfach zumindest einen Wettkampf geben. 

Der PCR ging dann durch, wie auch immer. Riiber stellte einen neuen Schanzenrekord auf. Auch für Jan Schmid lief es super, im vielleicht letzten internationalen PCR seiner Karriere. Wir freuten uns sehr.


Währenddessen traten im Stadion erste Sachschäden auf.


Harald Johnas Riiber im Interview beim ZDF. Es ging vermutlich eher weniger um ihn selbst...


Der Cheftrainer im Auslauf. Inzwischen wissen wir dann ja auch warum er da stand...:(



Der Wettkampfsprung ging dann auch durch, lediglich der Beginn hatte sich etwas verzögert.

Zitat FIS-Renndirektor: "Wir brauchen kein Windnetz, wir haben den Schwarzwald!"

Für Jarl lief es erneut super, für den Rest der Norges eher nicht so.


Ja, er hatte schon bessere Wettkampfsprünge gehabt...*brummel*

Der PCR war im Sack, der Wettkampfsprung auch. Wir waren glücklich, bedeutete dies doch, dass wir morgen auf jeden Fall auch einen Bewerb sehen würden, im Fall des Falles aber nur mit einem 10 km-Lauf. Aber besser als nichts!

N. und S. machten sich auf den Weg zurück in den Ort, genauer gesagt in "Moosis Lesecafé, um dort nach guter alter Tradition gefüllte Pfannkuchen zu essen.



Das Wetter hätte nicht schöner sein können, abgesehen vom abartigen Wind. 

Nach dem Essen wieder rauf zur Loipe im Wittenbachstadion.

Es windete und windete.



Am Ende gab es einen österreichischen Doppelsieg, Berni Gruber vor Luggi Greiderer, der damit seinen ersten Stockerplatz im Weltcup geholt hatte und Jarl Magnus Riiber. 


Kombi-Elch Kalle freute sich sehr.

Vom Stadion zurück in den Ort. Das erste Stückerl im Wald war es angenehm, doch wenig später auf der baumlosen Hochebene konnte man sich wieder kaum auf den Beinen halten. Wir wünschten uns so sehr, dass das Wetter bis zum nächsten Tag anhalten möge, da waren ja schließlich ein paar Jungs, die morgen ihren Abschied geben würde und da hätten sie schönes Wetter mehr als verdient!

Der Wetterbericht sprach jedoch leider andere Bände...

Wieder das übliche Spiel am Abend...Pension, Pizzeria, Siegerehrung. N. hatte sich ja sehr gefreut, nicht nur Jarl dort zu sehen, sondern auch Ilkka Herola.

Tja. Hätte, hätte Fahrradkette...

Alle waren da, nur Herr Herola nicht...*motz*


Ja, Jarl schaut da ein bisschen doof. Aber es ist das einzige Foto, auf dem alle fünf drauf sind.


Schwarzwaldpokal für Berni Gruber.



Sonntag, 17.03.2019 - Was zur Hölle? - Einar kam zum Springen, laufen durfte dann Harald.

Am nächsten Morgen windete es, zur großen Überraschung aller, immer noch. Nach dem Frühstück schleppten wir uns zum letzten Mal in der laufenden Saison zur Schanze. Ob der Schwarzwald wohl immer noch ein ausreichendes Windnetz sein würde?

Um 10 Uhr sollte der Probedurchgang beginnen, um 11 der erste von zwei Wertungsdurchgängen. Es windete und windete. Zuerst fiel die Probe aus. Dann verzögerte sich der Beginn des Wettkampfs. 

N. und S. waren hin- und hergerissen. Eigentlich hätten wir ja schon noch gerne einen Bewerb gesehen. Außerdem hatten wir bzw. N. mal wieder eine Mission zu erfüllen...

Kleines Abschiedsgeschenk für Jan Schmid. Auch wenn bis heute nicht klar ist, ob er nun weitermacht oder nicht. 


Aufgepeppte Kartonrolle. Ja, ich bastel gern. 


Kleine Fotocollage mit Bildern aus den letzten zehn Jahren oder so.


Vorderseite Karte.


(Ja ich weiß, dass ich das Wort "bleiben" vergessen habe beim Schreiben. Leider Gottes hatte ich keine Tipp-Ex-Maus zur Hand) 

Ein Zufallsergebnis oder einen Verletzten wollten wir dann aber auch nicht haben. Und der PCR war ja zumindest für einen Teil unserer Norweger richtig gut gelaufen. 

Die Probe war ja nun schon dem Wind zum Opfer gefallen und für den Bewerb sah es nicht unbedingt besser aus...das Windnetz Schwarzwald schien heute nicht ausreichend zu sein. 

Neben dem Exit-Gate befanden sich immer noch keine Betreuer. N. und S. rechneten nicht mehr wirklich mit einem Springen. Irgendwann kam der Sportchef der Norweger vorbei. Und das norwegische Fernsehen (NRK). N. begann zu schwitzen. Eine Live-Übertragung der Übergabe an Jan in Gesamt-Norwegen wollte ich dann nun auch nicht....Ramsau hatte uns dann eigentlich schon gereicht.

Um 11:15 Uhr gab es das nächste Jury-Meeting. Noch bevor die Durchsage über die Absage des Springens an der Schanze kam, lief die entsprechende Info durch den FIS-Ticker am Handy.

Damit würde für den heutigen Tag der PCR zu Anwendung kommen, es kein klassisches "Saisonfinale" mit den 30 Besten geben und das Wochenende war für den armen Einar Oftebro ohne Einsatz zu Ende gegangen. Er war an die Schanze gekommen um zu springen, laufen durfte dann Harald Riiber. Die Kombi treibt manchmal seltsame Blüten...*gg*

N. und S. reagierten blitzschnell, zogen das Geschenk für Jan aus dem Rucksack, der ja an diesem Tag nicht mehr vorbeikommen würde und beschlossen, das Ganze einfach dem Herrn Sportchef aufzudrängen. *gg*

"Excuse me, could you please give this to Jan?"

"To Jan Schmid?"

(Anmerkung der Redaktion: Wie viele Jans gibt es im Team Norwegen? Bis zu dieser Saison gab es  drei Mal Magnus und zwei Mal Espen, aber Jans meines Wissen wirklich nur einen. Aber ok, was weiß ich schon...)

"Yes please. A little memory to his career!"

"Do you think he will finish his career? He never told me!"

"I'm not sure."

Es ging so schnell und war so hektisch, dass ich komplett vergessen haben zu erwähnen, dass ich das Graffl halt auch nicht wieder mit heimnehmen wollte.

Ich hoffte sehr, Herrn Stuan damit keine schlaflosen Nächte bereitet zu haben. 

Und außerdem wüsste ich gern, ob Herr Schmid das Ding bekommen hat...

Durch die Absage hatten wir ja mal wieder viel Zeit bis zum Lauf und beschlossen diese, zumindest zum Teil, im Kurpark zu Schonach zu verbringen. Wenn wir schon Kurtaxe zahlten, wollten wir wenigstens die Bänke dort etwas absitzen und die Wege ablaufen.





Willkommen in Deutschland...

Der Wind war da, die Wolken wurden mehr...das Wetter schlug um. Das Saisonende und der Abschied von Max, Francois, Willy usw. war Petrus ganz offensichtlich egal...

Wir machten uns auf den Weg in die Pension, schmissen alles nicht mehr benötigte aus den Rucksäcken, dafür Regenjacken, Regenschirme, Mützen, Ponchos und Regenhüllen für die Rücksäcke hinein und machten uns wieder auf den Weg nach oben ins Wittenbachstadion.

Zum letzten Mal in dieser Saison zum Langlauf, zum letzten Mal Francois Braud, Maxime Laheurte und Willy Denifl als aktive Sportler sehen und vielleicht noch so manch anderen, von dem wir das zum aktuellen Zeitpunkt noch gar nicht wussten...

Der Weg über die baumlose Hochebene war eine Herausforderung. N. begann zu zweifeln, dass der Lauf überhaupt würde gestartet werden. Nicht, dass noch ein Baum auf die Loipe fiel. Teilweise hatten wir Angst, gleich im Wind umzufallen. Es war echt unfassbar windig. Nicht mal unterhalten konnten wir uns.

Auf der Tribüne angekommen, windete es "nur". Wenig später hagelte es. Zu Beginn des Rennens begann es zu regnen.

Die Jungs taten uns unfassbar leid. Wir zogen mit eiskalten Fingern Regenponchos über die Winter- und Regenjacken..

Zum Ende des Rennens schneite es. Viel Schnee. Nasser Schnee.

Das Gute in Schonach ist ja, dass man fast die gesamte Strecke einsehen kann. Das ist aber auch gleichzeitig ein gewisser Fluch.

Jarl war schnell alleine vorn, das freute uns zu sehen. Irgendwann löste Jan sich von Berni. Auch sehr schön. Im vielleicht letzten Weltcuprennen noch mal aufs Stockerl? 

Als wir dann aber bemerkten, dass hinter Jan und Berni etwas Grünes sich nach vorn arbeitete, war das Ganze ein gewisser Fluch. Das "Grüne" war schnell als Alessandro "Alejet" Pittin identifiziert. Also grundsätzlich mögen wir Ale ja, wie eigentlich alle Kombis. Aber er ist halt ein so verdammt guter Läufer und wir wollten das Stockerl unbedingt für Jan.

Wir hüpften wie die Flummis auf und ab und feuerten unsere Favoriten lautstark an.

Doch Jan schaffte es seinen Platz zu verteidigen und kam 25 Sekunden nach Jarl als Zweiter ins Ziel, Berni landete auf Rang 3. 

Norwegischer Doppelsieg zum Saisonabschluss. Was hätte es für uns schöneres geben können?!

Wir blieben noch eine Weile und feierten die Norweger.

Zur Abwechslung (hihi) mal wieder die norwegische Hymne gehört. Also mehrfach. 

In der Pension trockneten wir dann mal wieder Klamotten und Rucksäcke...

Das Rennen vom Sonntag bzw. das Wetter vom Sonntag im Video und einem Instagram-Posting.

Wir ruhten uns aus, duschten heiß, gingen was essen und gegen halb sieben ins Haus des Gastes zur großen Saisonabschlussparty.

Die örtlich Blaskapelle spielte noch eine ganze Weile. N. meinte irgendwann, bevor die nicht das Badnerlied gespielt haben, hören sie nicht auf.

Sie hörten dann tatsächlich nach dem Badnerlied auf.

Anders als im Jahr zuvor fand man Team FIN währenddessen aber nicht auf Tischen und Bänken.

Den offiziellen Teil mit den Ehrungen puschte die FIS dieses Mal irgendwie seltsam schnell durch, das war die letzten Jahre deutlich schöner!



Wir waren auf die Ehrungen im Rahmen der "Nordic Combined Awards gespannt. N. freute sich besonders über den "Moment of the year" für Ilkka Herola und Eero Hirvonen sowie über den Fair Play-Preis für Eero Hirvonen, der Berni Gruber und damit Team Österreich mit einem kleinen Metallteil für Bernis Schuh den Teambewerb bei der WM gerettet hatte. 

Es gab viel Applaus für Eero!!! Toller Junge, toller Sportler! Möge die nächste Saison für ihn wieder besser laufen!

Der Preis für die Trainer des Jahres ging an die Ösis. Ganz offenbar fanden nicht nur wir paar Hanserl auf der Heizung das Ganze ein wenig komisch, sondern auch die Geehrten selbst, die ihren Preis mit den Worten "You are the real champions" an die Norweger weitergaben.

Was uns auch sehr freute, war dass auch dieses Jahr die Athleten, die ihre Karriere beendeten, nochmal auf der Bühne gefeiert wurden. Sogar Magnus Moan war nochmal nach Schonach gekommen!

Anschließend ging es ans Feiern und N. litt auf der Heizung. Mir war richtig schwindlig und komisch durch die laute Musik. Grausam.

Gegen halb eins gingen wir dann zurück zur Pension, durch eine kalte, stille, verschneite Winternacht in Schonach.

Im Bett waren wir dann so gegen 2 Uhr morgens...

Montag, 18.03.2019

Am nächsten Morgen waren wir dann doch erstaunlich fit. Gefrühstückt, Graffl zamgepackt, Zimmer bezahlt und ab in Richtung Bus nach Triberg. Von Triberg nach Donauschingen und weiter über die schwäbische Alb nach Ulm. Dort wie üblich Fischsemmel bei der Nordsee gekauft und weiter Richtung Heimat.

Danke für eine tolle Saison liebe Kombis!



Mittwoch, 6. März 2019

Radsport, ich habe fertig.

Über Radsport wird es hier in Zukunft nichts mehr zu lesen geben.

Ich bin fertig damit.

Die WM in Innsbruck war noch mal ein schönes Erlebnis, ein schöner Abschluss, auch wenn ich das letztes Jahr so noch nicht gedacht hätte, aber nach dem jetzt wieder einer meiner absoluten Lieblingsfahrer erwischt wurde, bin ich durch mit dem Thema.


Nordische Ski-WM in Seefeld, 28.02.-02.03.2019

Drei Tage in Tirol, drei Tage mit Sonne pur, strömendem Regen und nassem Neuschnee, einem Tiroler Bergdorf in norwegischer Hand und mit fantastischen Ergebnissen in der Nordischen Kombi.

Das Musikprogramm beschränkte sich mehr oder weniger auf die folgenden fünf Lieder. Das letzte hörte man allabendlich bei den Siegerehrungen. Meist mehrfach.

Pinne for landet

Det Går Likar No

Rompa mi

Time for Heroes

Ja vi elsker dette landet


Buidln

Donnerstag, 28.02.2019 - Sonne pur über Seefeld, Sonne für Team Norwegen, gleich der erste Tag ein voller Erfolg

Eigentlich hatte N. ja nur einen Tag zur WM gewollt und bereits am 22.06.2018 die Karte für den 02.03.2019 gekauft. Dann war auf den diversen Webcams der Gemeinde zu sehen was alles auf- bzw. umgebaut wurde, halbe Hänge weggesprengt, Bäume gefällt, Loipen erweitert, Parkplätze gebaut.

N. Lust, nach Seefeld zu fahren, ging in den Keller und lange wollte ich nichts mehr von der WM hören.

Doch dann liefen die ersten Bewerbe für die so geliebten norwegischen Kombis so toll und N. prüfte, ob es für den 28.02.2019 und den 01.03.2019 noch Karten gab.

Gab es.

Gesehen, gekauft. Am 25.02.2019. Vorfreude wuchs.

Nicht ganz billig, aber als kleines Zuckerl konnte man mit den Karten in ganz Tirol im Nahverkehr fahren und sogar von München aus mit der Karwendelbahn bis Seefeld, am jeweiligen Tag halt.

Kaum aus Brotterode zurück, ging es schon wieder auf Tour. Zwei Tage Urlaub genommen, Graffl zamgepackt und ab. S. konnte das Einzelzimmer in der Pension in Mittenwald noch auf ein DZ ändern und so ersparte sich N. das Hin- und herfahren.

....

27.02.2019, 13:11 Uhr. N. sitzt am Münchner Mariahilfplatz im Büro. Handy brummt, Whats App aus IBK von E.

"Doping-Razzia in Seefeld. Offenbar mehrere Sportler und Nationen betroffen". Die Nachricht schlug ein Blitz.

Wer? Welche Sportarten? Und vor allem der Gedanke "Bitte, bitte nicht einer meiner Favoriten..."

Wenig später, nächste Nachricht "Zwei ÖSV-Langläufer festgenommen".

N. konnte sich kaum noch auf die Arbeit konzentrieren. Sofort alle weiteren Bekannten informiert.

.....

Am 28.02.2019 ging es früh am Morgen los in Richtung Tirol.

Die Sonne strahlte vom wolkenlosen blauen Himmel, es war windstill, es hätte nicht schöner sein können.

Im Vorjahr, bei der Probe-WM, da hatte man sein Gepäck am Eingang zum Seefelder Stadion in einem Zelt deponieren können. S. hatte extra per Mail bei den Organisatoren nachgefragt, ob das wohl heuer auch so sie. Ja, so die Antwort.

Wir hatten ob dieser Antwort aufgeatmet. In Seefeld gab es ja seit dem Umbau des Bahnhofs keine Fächer mehr, in die Pension konnten wir so früh am Tag noch nicht und in Mittenwald aussteigen, um das Zeug dort zu lassen, war uns zu riskant. Es war eh schon alles auf Kante genäht, so rein zeit technisch.

Außer uns sprach im Zug irgendwann niemand mehr Deutsch. Fest in norwegischer Hand alles. Wir kamen uns vor wie in der T-Bane rauf zum Holmenkollen.

In Seefeld ausgestiegen und zum Stadion gelaufen. Am Eingang wollte niemand was von einem Zelt wissen. In unsere Taschen und Rucksäche wollte auch niemand gucken.

Ohne Worte. Wir hätten alles mit ins Stadion nehmen können, echt alles!

Leicht angesäuert setzen wir unseren Weg MIT den Reisentaschen fort. Ausgeschildert war nix, wo wir hin mussten konnte uns ebenso niemand sagen.

An der Schanze angekommen war es schon recht voll, Reihe eins war Essig.

Aber auch von etwas weiter hinten sah man noch gut.


Hier ein Bild von unserem ganzen Graffl.

Es war verdammt warm. Wir zogen die Jacken aus und standen am Ende im T-Shirt an der Schanze herum. Vor uns doch tatsächlich ein paar Norweger, die sich auch für die Kombi interessierten und auch gleich wussten, was es mit unserer "Schmid-Fahne" auf sich hatte.


Programm des Tages:
  • 11:00 Uhr Sprungbewerb  HS 109 Nordische Kombination
  • 13:00 Uhr Staffel Damen 4x5 km LL Damen
  • 16:15 Uhr Einzelwettkampf 10 km Nordische Kombination
  • 16:30 Uhr Qualifikation Herren HS 109 Skispringen
Zuerst also das Kombispringen. Blutdruck ging also gleich zu Beginn des Tages nach oben. Vor allem N. hoffte auf eine Fortsetzung der Glückssträhne ihrer Norweger. Ich wollte auch Medaillen live erleben.

Nach der Probe sah es leider noch nicht ganz so gut aus für unsere Wikinger, aber es zählte ja sowieso nur der Wettkampfdurchgang.

Nach dem Wertungssprung führte Jarl vor Espen, für Jan und Jörgen war es leider nicht wirklich gut gelaufen.

N. und S. waren hochzufrieden und wechselten von der Schanze zur Loipe. Nicht, dass uns die LL-Staffel auch nur in irgendeiner Weise interessiert hätte, aber wir mussten uns ja schon mal einen guten Platz für den Lauf der Kombis sichern.

Der Langlauf verlief dann für das norwegische Team eher weniger nach Plan.

Schweden gewann...

Nach dem Langlauf waren die meisten Norweger weg und wir vorn.

Jarl lag zwar vorn nach dem Springen, aber es war alles sehr sehr eng. N. und S. versuchten Blutdruck und Nerven mittels Pommes nach unten zu fahren, doch es gelang nur so halbwegs...



15:15 Uhr begann das Rennen der Kombis. Jarl lag die ganze Zeit vorn, erst bei 7,5 km kam Akito an die Spitze. N. und S. schwitzten, nicht nur wegen dem Wetter.

8, 6 km - immer noch Akito vorn.

Wir standen oben an der letzten Steigung, an der vorletzten Kurve.

Und GENAU DA griff Jarl an.

Das Ziel konnten wir leider nicht sehen, auch die Videowand nur so halbwegs und so waren wir uns auch nicht sicher, wer genau gewonnen hatte.

Um 15:40 Uhr ca. vernahmen wir die erlösende Durchsage des Sprechers, dass es Jarl sei.

Endlich Gold, endlich wieder eine Einzelgoldmedaille für Norwegen nach all der Zeit.

Espen Björnstad war auch Platz sechs gelandet, Ilkka Herola auf fünf.

N. und S. wuchteten all ihr Graffl zur Videowand, um der Flower Cerenomy für Jarle beizuwohnen. Interessierte außer uns ca. noch 10 andere Zeitgenossen.

Fantastisch...

Graffl von der Videowand weiter an die Schanze gewuchtet um sich die Quali noch anzuschauen, also wenigstens teilweise. Wir mussten dann ja noch dringend zur Siegerehrung am Seekirchl. Man muss ganz einfach Prioritäten setzen.

Obwohl wir wirklich zeitig vor Ort waren, standen wir leider nicht mehr ganz vorne und nahmen uns vor, am Samstag im Fall der Fälle noch früher vor Ort zu sein.

Siegerehrung Skispringen Einzel Damen - Gold für Maren Lundby. Gold für Norwegen.

Siegerehrung Einzelbewerb Kombi Herren - Gold für Jarl Magnus Riiber. Gold für Norwegen.





Siegerehrung LL-Staffel Damen. Gold für Schweden. Dämpfer für Norwegen.

Auf Grund des Misserfolges im LL blieben die Fans aus Norwegen diesmal bis zur Kombi-Ehrung und feierten Jarl frenetisch.

"Riibek, Riibek".

Er genoss es sichtlich, der kleine große Kombi-König.

Nach der Ehrung schleppten wir unser Graffl vom Seekirchl zum Bahnhof und fuhren nach Mittenwald. Dort die Pension gesucht und halb tot auf die Betten gefallen.

Tag 1 - ein voller Erfolg!

Freitag, 01.03.2019 - Was zur Hölle!

Der nächste Tag begann trüb und regnerisch, scheinbar konnte es bei der WM freitags vom Wetter her nicht schön sein.

Programm des Tages:
  • 13:15 Uhr Staffel Herren LL 4x10 km
  • 16:00 Uhr Spezialspringen Herren HS 109
Wir deckten uns zuerst im Supermarkt mit Getränken und Knabberzeug ein und nutzten dann noch eine ganze Weile das W-lan im Schwimmbad aus, ehe wir dann stundenlang im Stadion im Regen standen.

Kurze Zusammenfassung des Tages: Wetter sch**ße, Langlauf langweilig, Springen irregulär. Fortsetzung der Pommes-Diät. Highlights des Tages waren die Polen, die nach DG 1 das Stadion verließen und somit den Doppelsieg verpassten und das Abendessen im FIS- und WM-freien Schwimmbadlokal.

Tag 2 - ein voller Misserfolg.

Ach ja, wir hatten auch noch Sonnenbrand auf den Lippen und waren vom Vortag halb schneeblind. Und die Paprika-Cracker waren auch nix.

Samstag, 02.03.2019 - um 15:38 Uhr kannte die Glückseligkeit keine Grenzen mehr


          Programm des Tages:
  • 11:00 Uhr Springen Teambewerb Nordische Kombination
  • 12:15 Uhr LL Massenstart Damen 30 km
  • 14:15 Uhr LL Teambewerb Nordische Kombination 4x5 km
  • 16:00 Uhr Mixed-Springen 
Nachdem gestern alles Mist war, konnte es am dritten und letzten Tag für uns ja nur besser werden. Also es musste besser werden. Heute war ja schließlich der Bewerb, auf den wir seit Juni 2018 hingefiebert hatten, der Bewerb, in dem es für uns einfach nur einen Sieger geben konnte, geben musste.

Wir schleppten unsere Reisetaschen zum Mittenwalder Bahnhof und stopften sie in ein Schließfach. Auf der Rückfahrt würde der Zug dort elf Minuten stehenbleiben, das sollte reichen um sie zu holen.

Es musste heute einfach diese Goldmedaille für unsere geliebten Jungs geben.

Der Probedurchgang um 10 Uhr ging erstmal an die Deutschen...Hoffnung unsererseits etwas getrübt.

Um 11 Uhr begann der Wettkampfdurchgang.

Wir waren tierisch nervös, hoffentlich keine DSQ, hoffentlich kein Sturz, hoffentlich keine Materialprobleme. Bitte bitte bitte!

Für drei unserer Jungs lief es super, alle über 100 Meter, nur der gute Jörgen konnte nach dem Bergisel auch den Code der Toni-Seelos-Olympiaschanze nicht knacken und setzte seine Skier leider schon bei 98 Metern in den Tiroler Schnee.

Der Sprungdurchgang ging dann an Team Austria, 1 Sekunde lagen sie vor den Japanern. Norwegen auf Platz 3 mit 17 sec Rückstand, dahinter Team D mit 41 Sekunden Abstand.

Wir atmeten auf. Das Springen hatten unsere Favoriten unbeschadet überstanden.

Wir machten uns auf den Weg zur Loipe und überlegten gleichzeitig, in welcher Reihenfolge die Teams wohl zum Lauf antreten würden.

Zu unserer großen Verwunderung war es bei Team Ö nicht Berni Gruber und bei Team D nicht Fabian Riessle, die als Schlussläufer zum Einsatz kamen. Unsere Hoffnungen auf Gold für die Norweger wuchsen wieder.

Zur Abwechslung standen diesmal keine norwegischen, sondern finnische Fans hinter uns.

Zu unserem großen Entsetzen wuchs der Rückstand der Norweger in der ersten Gruppe an, statt weniger zu werden. Der arme Espen konnte mit dem Berni leider nicht mithalten. :(

Und noch etwas wuchs an und zwar der Rückstand der Deutschen. Der arme Johannes Rydzek hatte einen rabenschwarzen Tag erwischt und ging völlig blau. Wenn wir auch für die Norges waren, tat es uns doch weh ihn so zu sehen. Das musste verdammt schmerzhaft sein.

Runde zwei hieß dann Jan Schmid, Eric Frenzel und Mario Seidl. Und Eric legte los wie die Feuerwehr, der arme Jan hatte seine liebe Mühe. Beim zweiten Wechsel lagen die Deutschen zwei Sekunden vor den Norges. In Führung immer noch Team Austria.

Runde drei - Graabak, Riessle, Rehrl.

Bei 13,6 km lagen AUT, D und NOR innerhalb einer Sekunde zusammen vorn.

Unsere Nerven waren quasi nicht mehr vorhanden.

Sorry R., aber in der Situation konnte ich keine WA beantworten, ich konnte nicht tippen am Handy.

Beim letzten Wechsel lag Norwegen vorn, aber AUT und D folgten im Abstand von 0,1.

17, 5 km - immer noch drei Teams innerhalb einer Sekunde.

18,6 km - Österreich vor Norwegen und Deutschland. Wir hofften auf Jarls Sprintstärke.

Und wieder griff Jarl vor unseren Augen in der vorletzten Kurve an. Wie bereits am Donnerstag konnten wir die Videowand nicht sehen. Wir hofften und bangten.

Um 15:36 Uhr schließlich verkündete der Stadionsprecher den einen Satz, auf den wir seit Juni 2018 gewartet, gehofft hatten.

Norwegen war Weltmeister. Jarl hatte den Sieg heim gebracht und damit seine zweite Goldmedaille an Land gezogen. Jan Schmid hatte endlich, im letzten Versuch, die erste Goldene seiner Karriere geholt. Jörgen Graabak hatte auch endlich Glück gehabt bei der WM und Espen Björnstad gleich bei seiner ersten WM Gold geholt.

Wir waren so unglaublich erleichtert. Es war uns egal, was heute noch beim Mixed oder sonst sonstwo passierte bei der WM.

Wir machten uns auf zur Videowand um dort die Ehrung zu verfolgen. Leider konnten wir die Hymne nicht hören, aber wir hätten später ja noch eine Gelegenheit.






Beim Mixed gingen wir nach DG 1. Heut war einfach alles andere außer der abendlichen Siegerehrung nebensächlich, obwohl das Springen wirklich nett war. Ja doch, es gefiel mir, was ich vorher nicht gedacht hätte.

Wir erlebten alles irgendwie durch einen Nebel.

An der Bühne am Seekirchl angekommen, waren wir fast allein, nur noch ne Handvoll Party-Norweger vor Ort. Danke DJ Alex verging die eine Stunde Wartezeit wie im Fluge. Der Kerl versteht sein Handwerk einfach.

Beim Lied " We Are The Champions"" stürmten ein paar Männer aus Norge auf die Bühne, mit einer riesengroßen gehäkelten Fahne.

Als es dann endlich endlich zur laaaaangerwarteten Siegerehrung kam, schienen sich die Österreicher über Bronze zu freuen. Team D hingehen sah extrem angesäuert aus.

Die Norweger waren einfach nur glücklich und vermutlich etwas übermütig. Jedenfalls jubelten Jarl, Jörgen und Espen so ausgelassen, dass der arme Jan hinten vom Stockerl flog.

Das erste Gold und dann das.


Keine Ahnung welchen Geist sie da gesehen haben...*gg*



Jarl und Jörgen und Jans Blick dazu...*gg*


"Ja, vi elsker dette landet"



Es gab dann noch weitere Siegerehrungen ja.

Vor der Heimfahrt kauften wir uns wieder Pizza. Gesunde Ernährung wird eindeutig überbewertet.

Der Rest des Abends und des Tages verlief dann auch problemlos, wir rasten in Mittenwald durch den Bahnhof, ohne zu stolpern oder uns Zähne auszuschlagen. Die Reisetaschen bekamen wir auch und schafften es wieder zurück in den Zug.

Dritter Tag bei der WM war ebenso ein voller Erfolg.

Mission erfüllt für Team Norwegen sozusagen.

Glückwunsch Jungs und danke!!!


Streik im Öffentlichen Dienst, Winter/ Frühling 2023

Wie bitte? Die Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst streiken? Die mit den sicheren Arbeitsplätzen, die, die in der Pandemie nicht um ihre Jobs...